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Innere Medizin 6. Dezember 2006

Herzinfarktrisiko steigt mit den Blutzuckerwerten

Im November widmete sich der Lancet dem Thema Zuckerkrankheit – mit bemerkenswerten Studienergebnissen zu den damit verbundenen Risiken.

Jeder fünfte Herzinfarkttod (21 Prozent) und jeder achte tödliche Schlaganfall (13 Prozent) gehen auf das Konto von Diabetes. Das sind die Resultate einer Metastudie, die die Arbeitsgruppe um Dr. Majid Ezzati von der US-amerikanischen Harvard University in Zusammenarbeit mit der neuseeländischen University of Auckland im November im Lancet veröffentlichte (2006 Nov 11; 368 (9548): 1651-9). Umgekehrt sterben zwei Drittel aller Diabetiker an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rauchen hingegen ist für acht Prozent der tödlich verlaufenden Schlaganfälle und für zwölf Prozent der Herzinfarkttode verantwortlich.

Bereits 4,9 mmol/l Nüchternblutzucker sind gefährlich

Grundlage der Forschungsergebnisse waren 13 Kohortenstudien aus 52 Ländern. Bei deren genauer Durchforstung hat sich auch herausgestellt, dass das Risiko für einen tödlichen Infarkt oder Insult bereits bei einem Nüchternblut-zucker von 4,9 mmol/l erhöht ist. Hochgerechnet auf die Weltbevölkerung würde das bedeuten, dass zu den 959.000 Todesfällen, die direkt auf Diabetes zurückzuführen sind, noch 1.490.000 Herzinfarkttote und 709.000 Schlaganfall-Todesfälle hinzukommen – eben bei Menschen mit subdiabetischen Hyperglykämien.
Prävention tut also Not. Einige randomisierte und kontrollierte Studien haben bereits gezeigt, dass eine Änderung des Lebensstils in Richtung mehr Bewegung und Reduktion von Übergewicht das Diabetesrisiko durchaus senken kann – wenigstens so lange, wie sich die Probanden daran halten.
Dass diese Art der Prävention auch langfristig sinnvoll sein kann, untermauern die Ergebnisse der in derselben Lancet-Ausgabe (2006 Nov 11; 368 (9548): 1673-9) veröffentlichten Finnish Diabetes Prevention Study (FDPS). Die Teilnehmer waren zu Studienbeginn vor mittlerweile sieben Jahren alle übergewichtig, in mittlerem Alter und hatten einen Nüchternblut-zucker von durchschnittlich 6,1 mmol/l. Damit betrug ihr Risiko, im Lauf der nächsten zehn Jahre einen manifesten Diabetes zu entwickeln, rund 50 Prozent.
Bei einem Follow-up stellte sich heraus, dass von den 257 Probanden der Kontrollgruppe, die keinerlei Änderung in ihrem Lebensstil vornahmen, bereits 110 an Diabetes erkrankt waren. Von den 265 Personen der Interventionsgruppe wurde jedoch erst bei 75 Diabetes diagnostiziert. Sie erhielten rund 20 individuelle Beratungseinheiten hinsichtlich Gewichtsreduktion, weniger fettem, dafür aber ballaststoffreicherem Essen und täglicher körperlicher Bewegung von mindestens 30 Minuten. Statistisch betrachtet, senkte diese Art der Intervention die Inzidenz von Diabetes relativ um 43 Prozent, nämlich von 7,4 auf 4,3 pro 100 Personenjahre. Und sie scheint zudem langfristig zu wirken, wie die Autoren um Dr. Jaana Lindström vom Public Health Institute in Helsinki schließen. „Vom Standpunkt der Volksgesundheit aus ist das eine wichtige Botschaft“, so Lindström. „Denn selbst wenn eine Lebensstil­änderung allein die Entwicklung von Diabetes nicht bei allen Menschen verhindern kann, so kann sie diese doch hinauszögern. Und das hat jedenfalls einen Einfluss auf das Entstehen von Folgeerkrankungen.“

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