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Innere Medizin 29. November 2006

Auch bei Älteren an eine HIV-Infektion denken

„Stop Aids. Keep the Promise“ ist der Titel der weltweiten Kampagnen, die mit dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ihren Höhepunkt finden.

Rund 40 Millionen Menschen sind weltweit mit dem HI-Virus infiziert, davon 2,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Für drei Millionen war das tückische Virus, gegen das es außer Kondomen noch keinen Schutz gibt, im Vorjahr die Todesursache. „Die Zahl der Menschen, die mit HIV leben, und die Zahl der Todesopfer steigen weiter an“, so das Resümee des globalen Aids-Reports der WHO und des Programms zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit, UNAIDS. Nach wie vor ist das Gebiet südlich der Sahara am stärksten betroffen. Dort leben zwei Drittel aller weltweit HIV-Infizierten. Auch in Osteuropa und Zentral­asien ist die Lage alarmierend, in den letzten beiden Jahren ist dort die Zahl der Neuinfektionen um 70 Prozent gestiegen, zwei Drittel davon ereigneten sich im Zusammenhang mit der Verwendung nichtsteriler Nadeln beim Drogenkonsum. In Österreich ist die Situation laut der vom Klinischen Institut für Virologie der MedUni Wien veröffentlichten Virusepidemiologischen Information in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben. So wurden 2005 453 Neuinfektionen registriert (zum Vergleich: 2004: 470, 2003: 422). Allerdings werden viele Infektionen erst relativ spät erkannt. Besonders fatal: Gerade in der Frühphase sind die Infizierten besonders ansteckend – und geben das Virus umso leichter weiter, wenn sie keine Kenntnis davon haben, dass sie es selbst in sich tragen. Prof. Dr. Armin Rieger, Generalsekretär der Österreichischen Aidsgesellschaft und Oberarzt an der Dermatologischen Universitätsklinik der MedUni Wien, mahnt deshalb die Kollegen, bei Patienten, die im geschlechtsfähigen Alter mit unklarem Fieber mit oder ohne Hautausschlag kommen, an HIV zu denken. Und zwar „auch bei Älteren“. So berichtet der Aids-Experte im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE von einem 60-jährigen, oftmaligen Thailandurlauber, bei dem der Test schließlich die Infektion bestätigte: „Ein Mann, der dem gängigen Bild des HIV-Positiven ganz und gar nicht entspricht.“ Da die effektive Behandlung den Ausbruch des Vollbildes von Aids hinauszögert, steigt auch hier zu Lande die Zahl derer, die mit dem Virus leben. Zwei neue Substanzklassen werden im kommenden Jahr in den klinischen Gebrauch kommen, so Rieger. Sie sind eher jenen Patienten vorbehalten, bei denen der Therapieerfolg mit den derzeit vorhandenen Substanzen nicht gewährleistet ist.

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