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Innere Medizin 22. November 2006

Experten-Forum: PAVK - Folge 9

Aus der Praxis – für die Praxis. Unser Experten-Forum hat zum Ziel, mitunter diffizile Fragen und Probleme, die sich aus der Patientenbetreuung ergeben, aufzugreifen und so weit wie möglich zu klären. Ihren Beitrag zum Thema oder Ihre Frage(n) an unseren Experten können Sie hier übermitteln.

Sind vasoaktive Pharmaka auch bei kritischer Extremitätenischämie wirksam?
Minar: Nein – mit Ausnahme der Prostanoide. Diese nehmen im Rahmen der medikamentösen Therapie der PAVK einen besonderen Stellenwert ein, weil lediglich für diese Substanzen eine klinische Wirksamkeit auch bei kritischer Extremitätenischämie nachgewiesen werden konnte. In klinischer Verwendung stehen derzeit in erster Linie das Prostaglandin E1 sowie das stabile Prostazyklin-Analogon Iloprost. Die Infusionstherapie mit Prostanoiden sollte zur vollen Ausschöpfung der klinischen Wirksamkeit für etwa drei bis vier Wochen durchgeführt werden, wobei diese Therapie – auch aus ökonomischen Gründen – zunehmend ambulant zum Einsatz kommt.

Sollte jeder Claudicatio-Patient auch ein vasoaktives Medikament verordnet bekommen?
Minar: Dies ist – wenn man von der klinischen Wirksamkeit der meisten dieser Pharmaka ausgeht –, keineswegs notwendig oder sinnvoll. Prinzipiell ist nämlich die durch ein Gehtraining erzielbare Verbesserung der Gehstrecke zumindest genauso groß –meist sogar größer - wie der mit diesen Medikamenten erzielbare Erfolg. Zusätzlich muss im Einzelfall immer berücksichtigt werden, inwieweit eine im Rahmen von Studien nachgewiesene statistisch signifikante Wirksamkeit auch von klinischer Relevanz ist. Meines Erachtens müssen allerdings – unabhängig von der meist nicht sehr überzeugenden klinischen Wirksamkeit – bei der Verordnung dieser Pharmaka auch noch andere Aspekte mit-berücksichtigt werden. So scheint die Kombinationsbehandlung von Gehtraining und vasoaktiven Pharmaka häufig auch unter dem Gesichtspunkt der Patienten-Compliance wichtig. Für diese Patienten ist wahrscheinlich die adjuvante medikamentöse Therapie ein wichtiger Anreiz für ein zusätzliches Gehtraining und insbesondere auch für regelmäßige ärztliche Kontrollen. Demgegenüber müssen allerdings auch die Polymorbidität und häufig bestehende Polymedikation berücksichtigt werden. Bei zu erwartender reduzierter Patienten-Compliance sollte auf die zusätzliche Verordnung eines vasoaktiven Pharmakon jedenfalls verzichtet werden. Bei Patienten mit sehr kurzer Gehstrecke kann durch eine ambulant durchführbare intravenöse Behandlung mit Prostaglandin E1 eine deutliche Verlängerung der schmerzfreien Gehstrecke erwartet werden.

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