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Innere Medizin 15. November 2006

Bei Verdacht Hepatitis C ausschließen

Eine Hepatitis-C-Infektion lässt sich heute in 50 Prozent der Fälle effektiv behandeln. Allerdings wird sie aufgrund der unspezifischen Symptomatik häufig nicht erkannt. Experten fordern, bei einem Verdacht auf eine Infektion häufiger auf Hepatitis B und Hepatitis C zu testen. Andernfalls muss ein deutlicher Anstieg von Leberkrebs und Leber­zirrhose befürchtet werden.

Chronische Lebererkrankungen gehören in den Industriestaaten zu den zehn häufigsten Todesursachen. Hierzu trägt die Virushepatitis C maßgeblich bei: An allen Endstadien ist sie in 40 bis 60 Prozent beteiligt. In Österreich sind laut Schätzungen 16.000 bis 40.000 Menschen mit dem HC-Virus infiziert, die Zahl der gemeldeten Fälle ist von 412 im Jahr 2000 auf 961 im Jahr 2004 angestiegen, was allerdings auch auf eine verstärkte Überwachung zurückzuführen ist.1 Aus den Folgen der chronischen HCV-Infektion, vor allem der Entwicklung einer Leberzirrhose bzw. eines Leberzellkarzinoms, ergibt sich erhebliche gesundheitspolitische Bedeutung. So wird erwartet, dass die Erkrankungskosten in den nächsten zehn bis 20 Jahren signifikant steigen.

Eine Verdopplung der Mortalität wird erwartet

Alle bisherigen Untersuchungen gehen von einer erheblichen Zunahme der HCV-assoziierten Morbidität und Mortalität um das Zwei- bis Dreifache mit einem Maximum der HCV-bedingten Spätfolgen in 15 bis 20 Jahren aus. Dies ist begründet in der langen Latenzzeit zwischen der Infektion und dem Auftreten schwer wiegender Krankheitssymptome.

Zu späte Entdeckung

Aufgrund der meist asymptomatisch verlaufenden akuten HCV-Infektion werden Patienten fast immer erst im Stadium der chronischen Infektion entdeckt. Außer in der Hochrisikogruppe der i. v. Drogenabhängigen gibt es bisher nur selten strukturierte diagnostische Vorgehensweisen zur Erkennung der chronisch infizierten Personen. Zusätzlich erschwert wird die Diagnose durch das nur minimal und unspezifisch ausgeprägte Beschwerdebild sowie die Tatsache, dass die Serumtransaminasen bei der chronischen Hepatitis C typischerweise nur marginal erhöht sind. Bei bis zu 40 Prozent der Fälle können sie sogar zumindest zeitweise unauffällig sein. Prinzipiell sollte sowohl bei einem spezifischen Risiko als auch bei einer Erhöhung der Serumtransaminasen, vor allem der GPT, immer eine HCV-Infektion ausgeschlossen werden (siehe Kasten Risikofaktoren).

Wann auf HCV testen?

Dieses Vorgehen wird durch die Empfehlung des deutschen Robert-Koch-Instituts gestützt, die explizit einen differenzialdiagnostischen Ausschluss der Virushepatitiden B und C schon bei leicht erhöhten Leberwerten fordert. Eine Transaminasenerhöhung ist in der Allgemeinbevölkerung in bis zu zwölf Prozent nachzuweisen. Nur die einmalig durchzuführenden Tests auf Anti-HCV und HBsAg bieten die Sicherheit, eine HCV-Infektion als Ursache einer GPT-Erhöhung nicht zu übersehen und die Patienten vor den schwer wiegenden Spätfolgen zu schützen (siehe Kasten HCV-Verdacht). Flankierende Laboruntersuchungen geben zusätzliche Sicherheit, wenn bei Verdacht oder bereits festgestelltem metabolischen Syndrom eine NASH (nicht alkoholische Steatohepatitis) vermutet wird.

Die Therapiechancen sind gut

Die spezifische antivirale Therapie der chronischen HCV-Infektion konsolidiert sich immer mehr.2 Durch sie gelingt je nach individuellen Prognosefaktoren eine dauerhafte HCV-Eradikation bei bis zu 85 Prozent der Patienten. Die Anpassung der Therapie in Abhängigkeit von Genotyp und Virämie, ein optimiertes Nebenwirkungsmanagement und die Kooperation der ärztlichen Verantwortungsbereiche verbessern die Therapie­chancen signifikant. Der optimale Therapiezeitpunkt sollte ebenso Beachtung finden wie die kontinuierlich maximal applizierte Medikamentendosis und das Vermeiden einer zu frühen Dosisreduktion oder gar Therapiebeendigung. So können insgesamt eine verminderte Infektiosität, eine verlängerte Lebensdauer der Patienten und eine veresserte Lebensqualität erzielt werden. Gesamtgesellschaftlich gesehen lässt sich damit nicht nur eine Reduktion der Folgeerkrankungen für die Betroffenen, sondern auch ein verminderter Ressourcenverbrauch erreichen.

1) Das Gesundheitswesen in Österreich.
Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Wien 2005.
2) Siehe auch Konsensus der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie zur Diagnose und Therapie der Virushepatitis. www.oeggh.at

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