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Innere Medizin 7. November 2006

Diagnose Asthma ist keine sportliche Sackgasse

Die interdisziplinäre Aktion „Fit mit Asthma“ will Fehler in der Asthmabetreuung ausmerzen und setzt dabei auf Aufklärung, moderne Therapiemaßnahmen und körperliche Fitness.

Dem Kampf gegen das Asthma jenen Stellenwert zu geben, der ihm gebührt – das hat sich Prof. Dr. Josef Riedler, Leiter der Kinder- und Infektionsabteilung des Kardinal Schwarzenberg`schen Krankenhauses in Schwarzach/Pongau, vorgenommen. „Schließlich zählt Asthma zu den häufigsten chronischen Erkrankungen der Kindheit. Allein in Österreich leben rund eine halbe Million Betroffene“, erklärte Riedler auf einer Pressekonferenz Ende Oktober im Wiener Theresianum. Doch bereits im Vorfeld der Erkrankung werden folgenschwere Fehler gemacht und statt auf Asthma zu untersuchen, Antibiotika und Hustensäfte verordnet. Dabei könnte das Asthma dank moderner Therapiemethoden gut kontrolliert werden. Eine große Hoffnung seien vor allem entzündungshemmende Präparate, wie inhalative bzw. oral verabreichte Kortikosteroide und Leukotrien-Antagonisten, welche die Symptome signifikant reduzieren. Bei der Behandlung von kälteindiziertem und Anstrengungsasthma haben sich insbesondere die neuen Leukotrienantagonisten bewährt.
Freilich sei es schwierig, rezidivierende obstruktive Bronchitis von Asthma zu unterscheiden, vor allem im Vorschulalter, räumte Riedler ein. Daher wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) und der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) dieses Jahr ein Konsensuspapier erstellt, das Kriterien und Algorithmen zur Diagnostik und Therapie darlegt. Die beiden Organisationen engagieren sich auch auf einem anderen Gebiet, denn lange Zeit galten Sport und Asthma als unvereinbar. Die interdisziplinäre Initiative „Fit mit Asthma“ will diesen Irrglauben nun ausmerzen.

„No sports“ ist unsinnig

Auch Dr. Wolfgang Pohl, Leiter der Abteilung für Pulmologie der Landesklinik Hochegg, hofft auf die Chancen einer effektiven Aufklärungskampagne: „Asthma zu haben, heißt nicht, lebenslang auf eine gesunde Fitness verzichten zu müssen. Dank der neuen Therapien ist die Lungenkrankheit mittlerweile gut in den Griff zu bekommen – vor allem wenn sie rechtzeitig erkannt wird und die Behandlung früh einsetzt. Wir wissen jedoch, dass gegenwärtig rund drei Viertel der jungen Patienten keine optimale Betreuung erhalten und dringend eine Behandlungsmodifikation nötig hätten. Eine Fortdauer der falschen Betreuung führt zu Langzeitschäden, die mit Entwicklungsstörungen einhergehen.“ Um diese Mängel zu beheben, so Pohl, bedarf es jedoch einer größeren Sensibilität innerhalb der Bevölkerung und im niedergelassenen Bereich.
Die neuen Therapiemöglichkeiten ermöglichen indessen, dass Kinder mit Asthma nicht nur Sport betreiben können, sondern sogar dazu angehalten werden sollten. „Daher haben wir uns vorgenommen, vor allem im niedergelassenen Bereich auch das Bewusstsein für die neuen Behandlungsoptionen zu schärfen“, zeigte sich Pohl motiviert. Um die ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, plant die Initiative „Fit mit Asthma“ demnächst ein Ärzte-Netzwerk einzurichten. Zur Mitwirkung sollen in den nächsten Wochen Pädiater, Allgemeinmediziner und Pulmologen eingeladen werden. Als Galionsfigur konnte man Ex-Nationaltormann Michael Konsel gewinnen.

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