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Innere Medizin 18. Oktober 2006

Hohe Selbstheilungsraten bei Tennisellbogen

Patienten mit überbeanspruchtem Ellbogen sind auch in der Allgemeinpraxis nicht selten. Die oft verabreichte Kortisonspritze scheint in diesen Fällen kontraproduktiv zu sein.

Die Patienten kommen mit Schmerzen im Bereich des Sehnenansatzes und erhalten häufig lokale Steroid­injektionen, die die Beschwerden auch rasch lindern. Die im Volksmund Tennisellbogen genannte laterale Epicondylitis wird vor allem durch wiederholte mechanische Überbeanspruchung durch Fehlbelastung – statische wie dynamische – verursacht. Typisch sind Schmerzen beim Anheben eines Stuhles mit gestrecktem Arm. Ein bis drei Prozent der Bevölkerung leiden daran, in bestimmten Berufen beträgt die Häufigkeit sogar 15 Prozent. Eine Forschergruppe um Dr. Bill Vicenzino von der australischen University of Queensland hat nun die Effektivität dreier Behandlungsoptionen miteinander ver­glichen und im British Medical Journal publiziert (BMJ. 2006 Sep 29; [Epub ahead of print]). 198 Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, die seit mindestens sechs Wochen charakteristische Tennisarmschmerzen hatten, wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Alle bekamen eine Broschüre mit allgemeinen Informationen zur Epicondylitis und Ratschlägen zu ergonomischen Bewegungsabläufen. Sämtlichen Patienten war es erlaubt, schmerzstillende Mittel zu nehmen.

Anfängliche gute Ergebnisse kehren sich bald um

Die Probanden der ersten Gruppe nahmen an acht halbstündigen Physiotherapiesitzungen teil, in denen sie Übungen lernten, die sie auch später zu Hause ausführen sollten. In der zweiten Gruppe wurde den Patienten lediglich erläutert, dass sich ihr Zustand von selbst bessern würde. Es wurde ihnen empfohlen, den Arm zu schonen, trotzdem aber so aktiv wie möglich zu bleiben. Die dem dritten Studienarm zugewiesenen Teilnehmer erhielten eine lokale Injektion mit einem Milliliter einprozentigem Lidocain und zehn Milligramm Triamcinolon-Acedonid und wurden angewiesen, nach und nach wieder ihre normalen Tätigkeiten aufzunehmen. Befanden die Ärzte es für nötig, wurde nach zwei Wochen eine weitere Injektion verabreicht. In den ersten sechs Wochen zeigte sich die Kortisontherapie am wirkungsvollsten: 78 Prozent der Patienten berichteten über weniger Schmerzen und mehr Kraft beim Halten von Gegenständen. Gegenüber der Therapie des Zuwartens war in den ersten Wochen auch die Physiotherapie überlegen. Nach einem Jahr zeigte sich allerdings ein anderes Bild: Sowohl bei den Patienten, die physiotherapeutische Übungen durchgeführt hatten, als auch bei jenen ganz ohne Therapie hatten sich die Beschwerden signifikant verbessert (bei 94 bzw. 90 Prozent). In der Physiotherapie-Gruppe nahmen die Patienten auch wesentlich weniger nichtsteroidale Antiphlogistika. Im Kortison-Arm war es hingegen bei 72 Prozent zu einer Verschlechterung des Zustands gekommen. Das könnte mit der rascheren ursprünglichen Besserung zusammenhängen, vermuten die Autoren: Die Betroffenen hätten den Arm schnell wieder zu stark beansprucht. „Diese schlechten Langzeit­ergebnisse sollten beim Management des Tennisellbogens in Betracht gezogen werden“, rät Vicenzino. Die Patienten sollten darüber informiert werden, dass die Selbstheilungsraten bei der lateralen Epicondylitis hoch sind.

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