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Innere Medizin 4. Oktober 2006

Wenn Essen zum Schockerlebnis wird

Nahrungsmittel-Allergien sollten früh erkannt werden, um sich dagegen schützen zu können. Ein Symptom-Tagebuch kann dazu beitragen, Beschwerden zu erfassen und zuzuordnen.

Marianne D. verpasst keine Mahlzeit ihres sechsjährigen Sohnes Kai. Der Grund: Vor einem Jahr erlitt der Junge nach dem Verzehr von Haselnuss-haltiger Schokolade einen anaphylaktischen Schock. Derart dramatisch verlaufen nur recht wenige allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, erklärt der Wiesbadener Allergologe Prof. Ludger Klimek. Aber jeder Patient mit Nahrungsmittel-Allergie müsse bei fehlender Allergenkarenz mit lebensbedrohlichen Reaktionen rechnen.
Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie reichen von Hautbeschwerden wie Juckreiz und Urticaria über Fließschnupfen (Rhinitis vasomotorica), Atemnot, gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Bauchschmerzen bis hin zum anaphylaktischen Schock. Anaphylaktische Reaktionen bei Nahrungsmittel-Allergikern sind keine absolute Rarität. So berichteten 93 Pä-diater in Deutschland, dass sie innerhalb eines Jahres immerhin 103 Kinder unter zwölf Jahren mit lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen behandelt haben (Allergy 60, 2005, 1440). Auslöser waren bei 57 Prozent Nahrungsmittel, besonders Nüsse, Kuhmilch und Fisch.

Symptom-Tagebuch gibt wichtige Hinweise

„Es ist wichtig, Nahrungsmittel-Allergien möglichst früh zu erkennen, damit Patienten sich entsprechend schützen können“, sagte Klimek beim Kongress des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen in Wiesbaden. Neben der genauen Anamnese könne das Führen eines Symptom-Tagebuchs helfen, Beschwerden bestimmten Mahlzeiten zuzuordnen. Manchmal sei die exakte Zuordnung dennoch schwierig. Klarheit gäben meist Prick- und IgE-Test. Liefern Anamnese und Hauttest keine eindeutigen Hinweise, kann zusätzlich ein Test auf spezifische IgE-Antikörper im Serum eine Sensibilisierung nachweisen.
Besonders schwierig kann die Diagnose sein, wenn Prick- oder IgE-Test eine Sensibilisierung gegen mehrere Allergene zeigen. Ergeben Anamnese und Symptom-Tagebuch nicht genau, welches Allergen die Beschwerden verursacht, helfe meist nur ein oraler Provokationstest. Dieser sollte doppelblind und Placebo-kontrolliert erfolgen. Provokationstests sind auch sinnvoll, um bei sonst unklaren Befunden eine Nahrungsmittelunverträglichkeit abzugrenzen.
Bei echten Nahrungsmittelallergien hilft nur Allergenkarenz, was oft nicht einfach ist, da Betroffene, auch unbeabsichtigt Nahrungsmittel mit Allergenen verzehren. Daher sollten Patienten, die bereits schwere allergische Reaktionen hatten, ein Notfall-Set mit Antihistaminikum, Glukokortikoid und Adrenalin mit sich führen.

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