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Innere Medizin 4. Oktober 2006

Schützt Vitamin D vor Pankreaskarzinom?

Da außer Rauchen noch keine Risikofaktoren für den äußerst bösartigen Bauchspeicheldrüsenkrebs bekannt sind, wären gerade in diesem Fall sinnvolle Vorsorgemaßnahmen wichtig.

Das Pankreaskarzinom gilt als eins der aggressivsten, die Prognose ist äußerst schlecht. Als einziger gesicherter Risikofaktor wurde bisher das Rauchen dingfest gemacht. Die Auswertungen zweier großer Studien deuten jetzt darauf hin, dass auch ein Vitamin-D-Mangel die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs begünstigen kann.
Schon etliche Untersuchungen haben auf eine Verbindung zwischen der Entstehung von bösartigen Tumoren und dem Vitamin-D-Stoffwechsel hingewiesen. Erst in der Sommerausgabe der Zeitschrift Anticancer Research (2006 Jul-Aug; 26 (4A): 2687-99) berichtete Dr. William Grant vom Sunlight, Nutrition and Health Research Center im kalifornischen San Franzisko, dass ausreichend Vitamin D das Risiko, an verschiedenen Krebsarten etwa des Gastrointestinal- und Urogenitaltrakts sowie der Lunge zu erkranken, reduzieren könne. Freilich werden manche dieser Studien und vor allem die Schlüsse daraus in Fachkreisen kontrovers diskutiert – die Daten seien nicht hart genug, lautet der Vorwurf, hinter der ganzen Vitamin-D-Diskussion steckten zu viele ökonomische Interessen. Labormedizinische Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass normales und kanzeröses Gewebe der Bauchspeicheldrüse ein Enzym enthält, das Vitamin D erst in seine aktive Form umwandelt, die in hoher Konzentration die Vermehrung von Tumorzellen bremst.

Eier, Pillen oder Sonnenlicht?

Die jetzt in Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention (2006 Sep; 15(9):1688-95) veröffentlichte Studie wird neuerlichen Stoff für die Vitamin-D-Diskussion liefern. Ausgewertet wurden die Daten der beiden großen Langzeituntersuchungen Health Professionals Follow-up Study und Nurses’ Health Study, in denen in den achtziger Jahren mehr als 75.000 Frauen und 46.000 Männer auch nach ihren Ernährungsgewohnheiten inklusive der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln befragt worden waren.
Die Analyse brachte zutage, dass jene Personen, die täglich 400 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D zu sich nahmen, ein um 43 Prozent geringeres Risiko hatten, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Bei weniger als 150 IE pro Tag ist die Gefahr immerhin noch um 22 Prozent reduziert. Mehr als 400 IE Kalziferol täglich bringen allerdings keine Vorteile. Kein Einfluss auf die Entstehung der bösartigen Geschwulst wurde für die Zufuhr von Kalzium bzw. Retinol (Vitamin A) festgestellt.
„Da es für das Pankreaskarzinom kein sinnvolles Screening gibt, ist die einzige Möglichkeit der Vorsorge, beeinflussbare Risikofaktoren zu finden“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Halcyon Skinner von der Abteilung für Präventivmedizin der Northwestern University in Chicago. Ihm gebe jedenfalls zu denken, dass die Häufigkeit des Tumors in nördlichen Gegenden mit weniger Sonneneinstrahlung höher ist als im Süden.
Um sagen zu können, ob der Pankreas-Schutz am besten aus natürlichen Vitamin-D-Quellen wie Eiern, Leber und fettem Fisch, einer Extraportion Sonnenbestrahlung oder Vitaminpillen kommt, müssen noch weitere Studien durchgeführt werden, räumt die Forschergruppe ein.

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