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Innere Medizin 29. August 2006

Intrazelluläre Signalwege der Zytokine zunehmend erforscht

Zytokine spielen bei immunologischen Reaktionen und im Rahmen von Abwehrmechanismen gegen Krebs eine wichtige Rolle. Vom 27. bis 31. August fand das laut Experten auf diesem Forschungsgebiet weltweit wichtigste Kongressereignis in Wien statt.

„Zytokine, die körpereigenen hormonähnlichen Signalpeptide, funktionieren in Netzwerken“, erklärte Prof. Dr. Josef Schwarzmeier von der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, AKH, bei der 6. Internatio-nalen Zytokin-Konferenz in Wien. Das Zusammenspiel der für die Entstehung von Krankheiten genauso wie für deren Abwehr wichtigen Substanzen – hierzu gehören Interferone, Interleukine, Tumor-nekrose- und Blutbildungsfakto-ren – ist sehr komplex. Schwarzmeier: „Immer wichtiger wird die Erforschung der entscheidenden Signalwege in den Zellen, die durch diese Botenstoffe beeinflusst werden. Viele Zytokine haben einen gemeinsamen Endpunkt. Ihre Effekte werden über ganz bestimmte Übertragungswege in Richtung Zellkern ausgelöst.“
Könnte hier mit Medikamenten eingegriffen werden, wäre wahrscheinlich eine bessere Wirkung als durch Beeinflussung einzelner Zytokine möglich. Der Experte: „Beispiele sind der erst kürzlich entdeckte PI3-Kinase-Signalweg, der für die Weiterleitung von Wachstumsimpulsen große Bedeutung hat.“ Ein weiteres wichtiges System der Zell-Kommunikation stellen die STATs dar. Bei vielen Krebszellen ist STAT-3 beispielsweise überaktiv. Eine Bremsung dieses Effekts könnte ein mögliches neues Behandlungsprinzip gegen bösartige Erkrankungen ergeben.
Die Zytokinforschung kann auch zum Verständnis bisher nicht erklärbarer Medizin-Phänomene beitragen. Schwarzmeier: „Wir haben kürzlich eine Studie veröffentlicht, bei der erstmals ein objektiv messbarer Effekt einer Behandlung im Badgasteiner Heilstollen auf das Immunsystem von Patienten mit Morbus Bechterew nachgewiesen wurde.“ Nach der Therapie fand sich im Blut der Patienten ein signifikanter Anstieg des Zytokins TGF-Beta 1 (Transforming Growth Factor Beta 1). Das Zytokin könnte auf Grund seiner antientzündlichen Eigenschaften auf den Heilungsprozess einwirken und zur Besserung der Schmerzen und Mobilität der Patienten beitragen (Medhat Shehata et al., Wien Klin Wochenschr (2006) 118/9-10: 266-272).

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