zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 27. Juni 2006

Plötzlicher Herztod – ICD prophylaktisch implantieren?

Die Implantation eines Kardioverter-Defibrillator (ICD) stellt die derzeit beste Therapie gegen den plötzlichen Herztod dar. Voraussetzung ist jedoch eine exakte Risikostratifizierung, so der Sukkus eines Vortrags von Prof. Dr. Günter Stix bei der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

„Die Prävention des plötzlichen Herztodes stellt eine der großen Herausforderungen der modernen Kardiologie dar. Legt man Zahlen aus den USA, wo jährlich etwa 40.000 Menschen am plötzlichen Herztod versterben, auf Österreich um, so bedeutet dies, dass pro Jahr etwa 15.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod sterben. Für Patienten mit überlebtem plötzlichen Herztod oder dokumentierter maligner ventrikulärer Arrhythmie konnte eindeutig gezeigt werden, dass der implantierte Kardioverter-Defibrillator (ICD) in der Rezidivprophylaxe (Sekundärprophylaxe) jedem Antiarrhythmikum überlegen ist“, berichtete Prof. Dr. Franz Xaver Roithinger von der Internen Abteilung Landesklinikum Thermenregion Mödling, im WMW-Skriptum Kongressjournal (Kardiologie 2006, Jahrgang 3, Heft 2.06). Zwischen 3.000 und 4.000 plötzliche Herztodesfälle ereignen sich jedes Jahr in Wien. Nur 109 Patienten können erfolgreich reanimiert und auf eine Intensivstation aufgenommen werden. Und nur 27 dieser Patienten verlassen das Krankenhaus wieder ohne nennenswerte neurologische Defizite. „Das bietet ein weites Feld für die prophylaktische Implantation des ICD“, zeigte sich Prof. Dr. Günter Stix, Klinische Abteilung für Kardiologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, AKH Wien, überzeugt. Am häufigsten tritt der plötzliche Herztod bei Herzinsuffizienz-Patienten auf. Allerdings bedeutet das nicht, dass eine prophylaktische ICD-Implantation allen HI-Patienten nützt. „Studien wie CAT1, AMIOVIRT2, SCD-HeFT3 und DEFINITE4 haben uns gezeigt, dass Patienten mit nichtischämischer oder idiopathischer Kardiomyopathie nicht von einer prophylaktischen ICD-Implanta-tion profitieren“, so Stix weiter. Wesentlich komplexer stellt sich die Situation bei der ischämischen Kardiomyopathie dar. Studien, wie MADDIT5, die Patienten mit Status post Myokardinfarkt untersuchten und sie einer Behandlung mit ICD oder einer medikamentösen Therapie mit Amiodaron unterzogen, konnten einen deut-lichen Anstieg der Überlebenskurven für die ICD-behandelten Patienten gegenüber der Kontrollgruppe feststellen.

Überlebensvorteil in der Sekundärprophylaxe

Andere große Studien zeigten ebenfalls einen signifikanten Überlebensvorteil für eine prophylaktische ICD-Implantation nach einem Herzinfarkt. „Das wäre eine gute Ausgangsbasis für eine Risikostratifizierung bezüglich der prophylaktischen ICD-Therapie bei ischämischer Kardiomyopathie“, erläuterte Stix. Allerdings profitieren nicht alle Patienten mit koronarer Herzerkrankung von einer solchen Therapie. „Es stellt sich auch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt“, hielt Stix fest. „Die prophylaktische ICD-Implantation sollte spät nach Myokardinfarkt durchgeführt werden, nicht in den unmittelbaren Wochen danach.“

Klare Indikationsstellung

„Auch wenn die ICD-Implanta-tion die beste Therapie ist, die wir gegen den plötzlichen Herztod haben, so ist sie doch nicht komplikationsfrei“, erläuterte Stix. So treten zwar bei der primären Implantation relativ wenige Komplikationen auf. Wird allerdings ein Austausch des Gerätes notwendig, steigt auch die Komplikationsrate an. Zusammenfassend zeigte sich Stix davon überzeugt, dass eine prophylaktische ICD-Implantation dann Sinn macht, wenn diese spät nach einem Myokardinfarkt erfolgt. Die Patienten sollten eine linksventrikuläre Dysfunktion und eine Auswurffraktion kleiner gleich 40 Prozent aufweisen. Außerdem sollte eine positive elektrophysiologische Untersuchung vorliegen. „Nicht indiziert ist diese Therapie derzeit bei Patienten mit nicht-ischämischer Kardiomyo-pathie, weil wir keinen sinnvollen Risikomarker dafür haben“, so Stix abschließend.

1 Bänsch D et al. Circulation 2002; 105:1453–8.
2 Strickberger SA et al., AMIOVIRT Investigators. J Am Coll Cardiol. 2003 May 21;41(10):1707-12
3 Bardy GH et al., N Engl J Med 2005;352:225-237.
4 Kadish A., et al., N Engl J Med 2004;350:2151-2158
5 Multicenter Automatic Defibrillator Implantation Trial (MADIT): design and clinical protocol. PACE, 1991;14:920-927.

 

Sabine Fisch, Ärzte Woche 27/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben