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Innere Medizin 27. Juni 2006

Schlafapnoe fördert kardiovaskuläre Erkrankungen

Die körperliche Stressreaktion bei zentraler Schlafapnoe führt zu einer Erhöhung der Herzfrequenz und kann sogar Rhythmusstörungen auslösen.

„Bei zentraler Schlafapnoe will der Patient nicht atmen, bei der obstruk­tiven Schlafapnoe kann er es nicht“, so pointierte Prof. Dr. Meinhard Kneußl von der Univ.-Klinik für Innere Medizin IV, AKH Wien, die wesentlichen Unterschiede nächtlicher Atemstillstände. Bei der Jahrestagung der ÖKG erläuterte Kneußl die Bedeutung der zentralen Schlafapnoe für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen.

Fehlender Atemantrieb

Bei der zentralen Schlafapnoe bleiben die Atemwegen zwar geöffnet, die Muskeln von Brust und Zwerchfell sind aber nicht aktiv. Infolge des fehlenden Atemantriebes fällt der Sauerstoffgehalt im Blut. „Von einem Schlafapnoe-Syndrom sprechen wir, wenn der Apnoe-Hypopnoe-Index größer als 15 pro Stunde ist“, so der Experte weiter. „Bei der Apnoe fällt die Atmung komplett aus, während es bei einer Hypopnoe nur zu einem Abflachen der Atmung kommt.“

Kardiale Folgen

Bei Herzpatienten kann die Hy­poxie-bedingte Unterversorgung des Myokards bei zentraler Schlafapnoe zu einer weiteren Einschränkung der Pumpfunktion, einer erhöhten elektrischen Vulnerabilität und einer Häufung von brady- und tachykarden Rhythmusstörungen führen. „Die Standardtherapie bei Schlafapnoe stellt die CPAP-Beatmung dar. Auch eine BIPAP-Beatmung ist möglich“, so Kneußl (s. Kasten). Eine Behandlung ist indiziert, wenn die nächtlichen Apnoe- bzw. Hypopnoephasen häufiger als fünfzehn Mal pro Stunde auftreten und der Patient bereits an einer Herzkreislauferkrankung leidet. Auch die medikamentöse Therapie spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Die Theophyllin-Therapie besitzt für die zentrale Atemregulation vor allem bei Herzinsuffizienz einen wichtigen Stellenwert. Kneußl: „Zwar ändern sich die Lungenfunktionsparameter unter Theo­phyllin nicht, jedoch verbessert sich die Vitalkapazität, das Herz wird kleiner und die Lunge kann sich besser ausdehnen.“ In rezenten Studien führte zudem der Carboanhydrasehemmer Azetazolamid zur Besserung des Apnoe-Hypopnoe-Index und zum deutlichen Rückgang der Entsättigung. Schließlich forderte Kneußl eine engere Zusammenarbeit zwischen Schlafmedizin und Kardiologie, wie sie etwa mit den FachärztInnen für Pulmologie bereits seit längerem sehr gut funktioniere.

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