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Innere Medizin 27. Juni 2006

Frauen und Männer sind doch gleich …

Trotz anfänglich subjektiv geringerer Lebensqualität von Herzpatientinnen ist die stationäre Rehabilitation für sie genauso effektiv wie für Männer.

„Was bringt eine vierwöchige stationäre Rehabilitation für weibliche und männliche Herzpatienten?“, fragte Dr. Stefan Höfer von der Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität Inns­bruck zu Beginn seines Vortrags im Rahmen der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie im Juni in Salzburg. Um Antworten zu finden, hatte Höfer eine Studie an 487 PatientInnen durchgeführt, die sich einem Anschlussheilverfahren nach einem kardialen Ereignis unterzogen.

Effekt auf die Lebensqualität

„Wir wollten den Erfolg eines vierwöchigen stationären Aufenthaltes in einem der sechs Rehabilitationszentren der Pensionsversicherungsanstalt in Österreich überprüfen und feststellen, ob es bezüglich der Lebensqualität Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt“, erläuterte Höfer die Inhalte der Studie. Die Stu­dienteilnehmerInnen wurden zu Beginn und am Ende der stationären Rehabilitation mittels zweier Fragebögen, des McNeil Heart Disease Questionnaires (MNHDQ) und des Euroquol, interviewt. „Der MNHDQ ist ein krankheitsspezifischer Lebensqualitätsfragebogen, der für alle großen Herzkrankheiten validiert wurde und in 25 Sprachen existiert“, erläuterte Höfer. „Der Fragebogen umfasst vier Skalen mit insgesamt 27 Fragen, die die körperliche, emotionale, soziale und globale Lebensqualität in den beiden der Befragung vorangegangenen Wochen erfassen.“ Euroquol ist dagegen ein krankheitsübergreifendes Instrument, das in fünf Skalen Parameter wie Mobilität, Autonomie, tägliche Aktivitäten, Schmerz, sowie Angst und Niedergeschlagenheit erfasst.

Deutlicher Gewinn

Die Studie war prospektiv und multizentrisch, eine Kontrollgruppe gab es nicht. Die Patien­tInnen waren im Durchschnitt 61 Jahre alt, ein Viertel davon weiblich. Die Anzahl der ehemaligen Raucher ist in der Frauengruppe geringer, der Bildungsstand der Frauen niedriger. Im Ergebnis zeigte sich insgesamt geschlechtsübergreifend, dass eine stationäre Rehabilitation zu einem signifikanten Anstieg der Lebensqualität führt. „Im subjektiven Erleben der PatientInnen finden wir über den Zeitraum von vier Wochen keinen signifikanten Unterschied zwischen Frauen und Männern“, berichtete Höfer über die Ergebnisse seiner Arbeit. „Es konnte sowohl für Frauen als auch für Männer ein gleichwertig signifikanter Anstieg und Zugewinn in der Lebensqualität beobachtet werden.“ Und zwar gilt dies nicht nur für die globale, sondern auch für die emotionale, körperliche und soziale Lebensqualität. Die Ergebnisse des Euroquol gestalten sich differenzierter. Frauen berichten bereits zu Anfang der Studie häufiger von körperlichen Schmerzen, Angst und Niedergeschlagenheit. Es zeigt sich allerdings, dass weder Männer noch Frauen in dieser Befragung nach dem vierwöchigen stationären Aufenthalt eine signifikante Verbesserung dieser Parameter zeigen. Höfers Resümee: Was den Zugewinn an Lebensqualität durch die stationäre Rehabilitation nach einem kardialen Ereignis betrifft, so ist er für beide Geschlechter signifikant und klinisch bedeutsam.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 27/2004

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