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Innere Medizin 27. Juni 2006

Herzinsuffizienz: Überlebensvorteil durch Home-based-care bestätigt

Werden Patienten mit Herzinsuffizienz nicht nur in der Spitalsambulanz, sondern auch zu Hause von spezialisierten Pflegekräften betreut, sinken Rehospitalisierungsraten sowie Mortalität – und nicht zuletzt auch die Betreuungskosten.

„Die Prognose von Patienten mit Herzinsuffizienz ist schlechter als jene von Krebskranken!“ Mit dieser Aussage eröffnete Prof. Dr. Richard Pacher, Oberarzt an der Klin. Abt. für Kardiologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin II am AKH Wien, seinen Vortrag über „Herzinsuffizienztherapie 2006“ bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie Anfang Juni in Salzburg. Er präsentierte das Wiener Modell zur ambulanten Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten. Es zeigt, dass sich durch intensiviertes spezialisiertes Krankheitsmanagement mit Homecare und vermehrten Ambulanzvisiten der klinische Verlauf bei Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus ­bessert.
278 Patienten, die mit der Dia-gnose dekompensierte chronische Herzinsuffizienz (HI) aus dem Krankenhaus entlassen worden waren, wurden für die Studie in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt die übliche Versorgung durch den niedergelassenen Arzt, basierend auf dem Arztbrief. Die zweite Gruppe musste sich nach zehn Tagen und zwei Monaten in der entsprechenden HI-Ambulanz des jeweiligen Gemeindespitals vorstellen und erhielt präterminisierte Heimvisiten nach einem, drei, sechs und zwölf Monaten. Die dritte Gruppe wurde gleich behandelt wie die zweite mit der Auflage, sich vorzeitig in der HI-Ambulanz vorzustellen, wenn der natriuretische Peptidwert bei Entlassung über 2.000 Pikogramm betrug. Der kombinierte Endpunkt setzte sich aus Tod sämtlicher Ursachen sowie Rehospitalisierung zusammen. „Nach zwölf Monaten zeigte sich ein signifikanter Überlebensvorteil für die Patienten in den beiden Aktivarmen der Studie“, fasste Pacher zusammen. „Auch die Rehospitalisierungsrate nahm in den Gruppen mit intensivierter Betreuung signifikant ab.“ Unterstützt werden Pachers Ergebnisse von internationalen Guidelines. So gibt die Task Force for the Diagnosis and Treatment of Chronic Heart Failure der European Society of Cardiology in ihren Guidelines an, dass „ein organisiertes System einer spezialisierten Betreuung die Symptome verbessert und die Mortalität von Patienten mit HI senkt.“

Weitere Modelle in Österreich

Neben dem Wiener Modell wurden in den Universitätsstädten Österreichs weitere Studien zur intensivierten Heimbetreuung von HI-Patienten durchgeführt. Dr. Hans Altenberger, Oberarzt an der Univ.-Klinik für Innere Medizin II, Kardiologie und internistische Intensivmedizin der Paracelsus-Privatuniversität Salzburg, stellte das „Salzburger Kardiomobil-Programm“ vor. Dieses umfasst die Betreuung der Patienten via Herzinsuffizienz-Ambulanz, ein strukturiertes Schulungsprogramm und die Home-based care mit dem Kardiomobil. „Bisher konnten wir 159 HI-Patienten in dieses Modell inkludieren“, erläuterte Altenberger. „77 Prozent Männer, 23 Prozent Frauen.“ Das mittlere Alter der Patienten beträgt bei Männern 67,7 Jahre, bei Frauen 73,5 Jahre. Die Patienten sind im Mittel im Stadium 2,25 nach Klassifikation der NYHA (New York Heart Association) und weisen zu Beginn der Homecare eine durchschnittliche Ejection Fraction (Auswurffraktion) von 28,6 Prozent auf. „Eine spezialisierte Pflegekraft nimmt noch im Krankenhaus Kontakt mit dem Patienten auf und besucht diesen nach der Entlassung“, so Altenberger. „Compliance bezüglich Medikamenten, Symptome des Patienten, wie Ödeme, Nykturie oder Halsvenenstauung, sowie NYHA-Stadium werden erfasst. Das Patienten-Selbstmanagement wird kontrolliert und abschließend ein ausführlicher Bericht für den Hausarzt erstellt.“ Es zeigte sich, dass die intensivierte Betreuung die Compliance der Patienten massiv verbessert. „Viele Patienten setzen ihre Medikamente nach der Spitalsentlassung eigenmächtig ab oder reduzieren die Dosis“, schilderte Altenberger ein häufiges Problem. „Nach der
Intervention der Pflegekraft kann bei 90,6 Prozent der Patienten eine Wiedereinnahme der empfohlenen Medikation erreicht werden.“

Ökonomischer Nutzen

Vom ökonomischen Nutzen einer solchen Homecare zeigte sich Dr. Gerhard Pölzl, Leitender Oberarzt an der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universität in Innsbruck, überzeugt: „Bereits 1995 wurde im New England Journal of Medicine eine Studie mit älteren Herzinsuffizienz-Patientinnen publiziert, die gezeigt hat, dass durch eine multidisziplinäre Betreuung die Rehospitalisierungsrate innerhalb von 90 Tagen signifikant gesenkt werden konnte.“

Verbesserung von Compliance und Lebensqualität

Die bisher durchgeführten Untersuchungen engmaschiger Betreuungsmodelle chronisch herzinsuffizienter Patienten zeigen neben einer signifikanten Senkung der Mortalität und Rehospitalisierungsraten auch eine Verbesserung der Lebensqualität und Compliance. „Die HI ist, nicht zuletzt wegen der häufigen Krankenhausaufenthalte, eine extrem teure Erkrankung“, so Pölzl. „Die Betreuung zu Hause durch spezialisierte Pflegekräfte hilft nicht nur den Patienten, sondern spart auch Kosten.“

 

Sabine Fisch, Ärzte Woche 27/2004

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