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Innere Medizin 20. Juni 2006

Leishmaniosen nicht nur exotische Mitbringsel

Die Leishmaniose kommt auch in unseren Breiten vor. Aber nicht nur Urlauber sind betroffen, auch heimische Hunde kommen als Wirte infrage.

Die Ärzte waren ratlos: Ein 15 Monate alter Junge kam mit hohem Fieber in die Notaufnahme. Milz und Leber waren vergrößert, und das Fieber blieb beständig hoch. Schließlich wurde die Tropenkrankheit viszerale Leishmaniose diagnostiziert. Der Fall war insofern ein Rätsel, da das Kind Deutschland bislang noch nie verlassen hatte. Letztlich tippten die Experten, dass Sandfliegen die Erreger über infizierte Hunde übertragen hatten. Die Insekten tauchen zunehmend in Deutschland auf, infizierte Hunde ebenfalls. Die Vierbeiner werden von Urlaubern vor allem aus Mittelmeerländern mitgebracht. Dort sind in manchen Regionen 40 bis 80 Prozent der Hunde mit Leishmanien infiziert und bilden den wichtigsten Erregerpool. Die Rate im Ausland Infizierter ist unbekannt, da die Erkrankung nicht meldepflichtig ist und die kutane Form auch ohne Therapie abheilen kann.

Sandfliegen sind Überträger

Hauptverbreitungsgebiete von Leishmanien sind der Nahe Osten, Nordafrika, das tropische Afrika sowie Teile von Indien und Bangladesh. Überträger sind dort ebenso Sandfliegen. Zumeist beschränkt sich das unerwünschte Souvenir auf die Haut: Es bilden sich an den Einstichstellen, meist im Gesicht und an den Armen, kleine erythematöse Papeln, die zu knopfgroßen Knoten wachsen (Orientbeulen). Sie haben einen lividroten Rand, der im Zentralbereich ulzeriert und plötzlich exsudieren kann. Heilen die Knoten spontan ab, hinterlassen sie oft atrophische Narben. Die Läsionen können sich aber auch diffus ausbreiten. Dass solche Beulen auch nach einem Urlaub im europäischen Mittelmeerraum auftreten können, berichtet Prof. Dr. Helmut Schöfer von der Univ.-Hautklinik in Frankfurt am Main. Bei einem Mallorca-Urlauber ließ erst die Behandlung mit Miltefosin, einer aus der Tumortherapie stammenden Arznei, die Läsionen abheilen. Behandelt wird bei kutaner Leishmaniose häufig mit 15-prozentiger Paromomycin-Salbe oder mit pentavalenten Antimonverbindungen. Auch eine photodynamische Therapie und eine lokale Hyperthermie kann erfolgreich sein. Eine systemische Therapie ist bei ausgedehnten oder multifokalen Herden nötig. Die Therapie kann ebenfalls mit Antimonverbindungen sowie mit Antibiotika wie Rifampicin, Metronidazol oder Cotrimoxazol erfolgen. Neu ist die orale Therapie mit Miltefosin. Die Substanz war bisher zur Therapie bei viszeraler Leishmaniose zugelassen. Die Zulassung wurde inzwischen auf die Behandlung bei kutaner Leishmaniose erweitert. Deutlich schwerer als bei der kutanen Form ist der Verlauf bei der mukokutanen Leishmaniose, die von den in Mittel- und Südamerika heimischen Leishmania-brasiliensis-Erregern verursacht wird. Sie führt zu massiv verstümmelnden Destruktionen im Gesicht. Hier ist möglichst frühe Behandlung vonnöten, so Schöfer. Besonders schwierig ist die Therapie bei HIV-Patienten, die ein deutlich erhöhtes Risiko haben, an einer viszeralen Leishmaniose zu erkranken. Im Mittelmeerraum sind es überwiegend HIV-Patienten, die von einer viszeralen Leishmaniose mit schlechter Prognose betroffen sind. Auf eine Therapie sprechen nur etwa die Hälfte an, die mittlere Lebenszeit liegt bei zwei Jahren.

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