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Innere Medizin 20. Juni 2006

Sanfte Herzinterventionen auf der Überholspur

Auf der ÖKG-Jahrestagung in Salzburg wurden kardiologische Neuigkeiten und chancenreiche sanfte Strategien der Zukunft erörtert.

Die interessantesten Entwicklungen des letzten Jahres aus der Sicht heimischer Kardiologen wurden diesen Monat auf der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) in Salzburg diskutiert. Prof. Dr. Gerald Maurer, Leiter der Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität ­Wien, zog in einer Aussendung erste Bilanzen: So gewinnt das Wirken der Kardiologen deutlich an Einfluss, denn immer häufiger werden die weniger invasiven Techniken der Herzspezialisten einem chirurgischen Eingriff vorgezogen. So werden selbst bei Herzklappenproblemen größere Operationen vermeidbar, da die Klappen mithilfe neuer Kathetertechniken ersetzt bzw. erneuert werden können. Ähnlich ist die Lage bei Bypass-Operationen, deren Anwendung europaweit sinkt. Maurer: „Zum einen sind Prävention und Früherkennung von Verkalkungen an den Herzgefäßen deutlich wirksamer geworden. Zum anderen können heute weniger eingreifende Techniken, wie die Ballon-Dilatation und Stents, eingesetzt werden.“ Einschränkend fügte er hinzu, dass das immer wieder prophezeite Ende der Bypass-Operation allerdings nicht bevorstehe, vielmehr sei für jeden Einzelfall zu entscheiden, ob ein Chirurg oder eine perkutane Koronarintervention (PCI) der bessere Weg für den Patienten ist. „Es gibt eine Vielzahl von Daten und Studien, die die PCI bei bestimmten Gefäßerkrankungen als dem chirurgischen Eingriff zumindest gleichwertig beurteilen. Bei anderen wiederum kann man auf die Operation noch nicht verzichten, bis die Studienlage nicht klarer ist. Hier ist also optimale Zusammenarbeit und keine Polarisierung gefragt“, meinte Maurer.

Koronar-CT im Kommen?

Anderen innovativen Methoden, wie beispielsweise der Koronar-CT, begegnet Maurer derweil noch mit vorsichtigem Optimismus. Die Vorstellung, die Koronarien unblutig und trotzdem detailreich zu inspizieren, ist sehr verlockend, allerdings „gibt es noch viele Unklarheiten“. Zwar demonstrieren Studien, dass sich mithilfe des Koronar-CTs Verkalkung darstellen lassen, jedoch könne das quantitative Ausmaß der Artherosklerose weiterhin nicht mit Sicherheit beurteilen werden. Zudem ließen sich nicht alle Gefäßabschnitte lückenlos einsehen, monierte Maurer: „Dadurch gibt es oft unbefriedigende Ergebnisse. Dann muss erst recht mit zusätzlichen Methoden oder einem Herzkatheter geprüft werden, ob eine gefährliche funktionelle Störung der Gefäße vorliegt.“ Als ermutigend bezeichnete Maurer Erkenntnisse, dass dank moderner Therapien Schwangerschaften nach überstandenen Herzerkrankungen infrage kämen. Allerdings sei dann eine individuelle Risikoeinschätzung vonnöten. Maurer: „Eine Frau mit einem einfachen Herzfehler, wie einem verschlossenen Vorhofseptumdefekt, bei der jedoch eine Herzmuskelschwäche zurückgeblieben ist, kann während der Schwangerschaft und Geburt lebensgefährlich herzinsuffizient werden. Andererseits werden immer mehr Frauen mit schweren Herzfehlern betreut, bei denen man noch vor Jahren geglaubt hätte, dass sie keine Schwangerschaft austragen können“. Ausführliche Berichte über die Jahrestagung der ÖKG und weitere kardiologische Themen gibt es in der nächsten Ausgabe der ÄRZTE WOCHE im FOKUS KARDIOLOGIE.

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