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Dermatologie 14. Juni 2006

„Den allergischen Marsch aufhalten!“

Am häufigsten reagieren ÖsterreicherInnen auf Pollen allergisch, aber auch Tierhaare oder Lebensmittel können Ursachen für allergische Rhinitis sein. Wird nicht rechtzeitig behandelt, kann sich die Erkrankung bis zum Asthma verschlimmern. Der vor kurzem vorgestellte erste österreichische Allergiebericht bildet die Situation der Betroffenen erstmals ab.

„Die Früherkennung einer allergischen Rhinitis kann wesentlich dazu beitragen, die Entwicklung von Asthma zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern“, sagte Prim. Doz. Dr. Wolfgang Pohl, der ärztliche Leiter der Abteilung für Pulmologie des Landesklinikums Thermenregion Niederösterreich Hochegg anlässlich der Vorstellung des ersten österreichischen Allergieberichtes.

Pollen und Tiere

Der Bericht zeigt, dass die Prävalenz für Allergien von den 1980er Jahren bis heute stark gestiegen ist. Seit etwa fünf Jahren stagniert die Neuerkrankungsrate auf hohem Niveau. Am häufigsten leiden die ÖsterreicherInnen an Pollenallergien, allein 180.000 WienerInnen sind davon betroffen, 130.000 Menschen in der Bundeshauptstadt reagieren auf Tierhaare mit allergischem Schnupfen. Insgesamt verzeichnet das Burgenland laut Allergiebericht die geringste, Salzburg und Oberösterreich die höchste Rate an AllergikerInnen. „Die Anzahl der Betroffenen in einem Bundesland ist von vielen Faktoren abhängig“, erläuterte Dr. Thomas Dorner vom Institut für Sozialmedizin, das den Allergiebericht erarbeitet hat. „So spielt der Anteil der Landwirtschaft eine Rolle. In Bundesländern mit einem hohen landwirtschaftlichen Anteil ist die Rate an Allergikern geringer.“

Mehr Frauen als Männer sind betroffen

Der Altersgipfel bei allergischen Erkrankungen liegt um das 30. Lebensjahr. Insgesamt sind mehr Frauen als Männer von allergischen Reaktionen betroffen. Je nach Allergie fühlen sich laut Bericht 43 bis 63 Prozent der Betroffenen durch ihre Erkrankung sehr oder ziemlich beeinträchtigt. Liegt ausschließlich eine allergische Rhinitis vor, ist die Behandlungsbereitschaft der Betroffenen allerdings nicht selten eher gering. „Rhinitis bleibt oft untherapiert und wird einfach akzeptiert“, ärgert sich Pohl. „Unbeherrscht kann eine allergische Rhinitis allerdings schrittweise von Pollensaison zu Pollensaison zu einer Verstärkung der Beschwerden bis hin zu Asthma bronchiale führen. So haben PatientInnen mit Heuschnupfen ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko, Asthma zu entwickeln. Deshalb sei es bei Vorliegen einer allergischen Rhinitis empfehlenswert, auch ein mögliches Asthma abzuklären. Nicht jeder Pollenallergiker mit einer leichten Rhinitis muss medikamentös behandelt werden. Allerdings, so hielt Pohl weiter fest, ist eine genaue Kontrolle der Beschwerden wichtig, um den „allergischen Marsch“ möglichst lange aufzuhalten. Diagnostiziert werden allergische Beschwerden überwiegend beim Lungenfacharzt (34,4 Prozent). Bei 19,9 Prozent der PatientInnen stellt der Hausarzt die Diagnose und 18,3 Prozent der Betroffenen erhalten ihre Diagnose in einem spezialisierten Allergieambulatorium. „Fast ein Drittel der Diagnosen wird nicht von einem Arzt durchgeführt“, erläuterte die Präsidentin der Wiener Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Dr. Barbara Degn. „Hier zeichnet sich ein deutlicher Trend hin zu komplementärmedizinischen Methoden ab.“ Fast 33 Prozent aller Allergiker wenden laut Allergiebericht komplementärmedizinische Verfahren zur Behandlung ihrer Allergie an.

Die laufende Nase „zudrehen“

Die Möglichkeiten der Behandlung von allergischen Reaktionen haben sich in den vergangenen zehn Jahren massiv erweitert. „Früher hatten wir oft nur die Möglichkeit Kortikosteroide zu geben“, berichtete Prim. Dr. Waltraud Emminger, Leiterin des Allergie-Ambulatoriums Rennweg: „Die haben zwar geholfen, weisen aber auch eine Menge Nebenwirkungen auf.“ Seit mehreren Jahren stehen potente systemische Medikamente zur Linderung der allergischen Beschwerden zur Verfügung. Eine kausale Behandlung der Erkrankung ist allerdings nach wie vor nicht möglich. „Der Trend geht jedoch immer stärker in Richtung Immuntherapie“, so Emminger weiter. „Die Einführung einer sublingual anzuwendenden Formulierung gegen Gräserpollen wird erstmals die tägliche Einnahme der Immuntherapie zu Hause ermöglichen.“ Bislang erfolgt eine Desensibilisierung mittels Injektion, die anfangs einmal wöchentlich und später einmal monatlich vom Arzt verabreicht wird. „Die Patienten entwickeln damit eine Immuntoleranz, so dass allergische Reaktionen gegen Gräserpollen verringert oder sogar gestoppt werden“, erläuterte Emminger. Die Behandlung mit der Gräsertablette sollte mindestens acht Wochen vor der Pollensaison beginnen und über die gesamte Pollensaison weitergeführt werden. Auf den Markt kommen soll das neue Medikament in Österreich Ende 2006/Anfang 2007.

 Allergie-Prävalenz in den Bundesländern und österreichweit Was die Prävalenz von Allergien in Österreich betrifft, so gibt es unterschiedliche Zahlen. Im Mikrozensus 1999 der Statistik Austria beantworteten so viele Prozent der Bevölkerung die Frage „Haben Sie derzeit allergische Symptome?“ mit Ja.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 24/2006

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