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Innere Medizin 31. Mai 2006

Geringeres Krebsrisiko bei chronischem Zeitdruck

Laut einer Zehnjahresstudie ist das Risiko für Herzkreislauferkrankungen bei jenen Menschen geringer, die meinen, aktiv auf ihre Gesundheit Einfluss nehmen zu können.

Über die Beteiligung von psychischen Faktoren bei chronischen Erkrankungen liegen zahlreiche Studien vor. Die Befunde sind allerdings nicht sehr einheitlich, manche davon, wie etwa die lange Zeit populäre Ulkuspersönlichkeit, mussten revidiert werden. Um zur weiteren Klärung beizutragen, haben Forscher des Psychologischen Instituts und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg eine Längsschnittstudie durchgeführt. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im British Medical Journal (BMJ, doi:10.1136/bmj.38833. 479560.80) veröffentlicht. Ausgangspunkt der Studie ist eine Stichprobe von über 5.100 Personen beiderlei Geschlechts, die vor zehn Jahren zwischen 40 und 65 Jahre alt waren und damals einen umfangreichen Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen, Lebens-, Ernährungs- und Arbeitsgewohnheiten sowie ihren gesundheitlichen Status ausgefüllt hatten. Beginnend im Jahre 2002, erfolgte eine intensive Nachbeobachtung an denselben Personen. „Wir haben untersucht, was die Beteiligten in der Zwischenzeit an Erkrankungen erlebt hatten“, erklärt Forschungsleiter Prof. Dr. Manfred Amelang.

Intensive Nachbeobachtung

„Mit dieser weiteren Studie wollten wir klären, welche Faktoren für das Entstehen von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen zuständig sind.“ Den Ergebnissen zufolge besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Glauben, durch das eigene Verhalten die Ausbildung und Entwicklung von Krankheiten beeinflussen zu können – den so genannten Internalen Krankheits-Kontroll-Überzeugungen –, und einem verminderten Risiko für die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen. Auch zeigt die Studie, dass chronische Zeitnot mit einem verminderten Krebsrisiko zusammenhängt. „Krebs ist insgesamt jedoch viel schwerer durch persönliche Merkmale vorherzusagen als Herzkreislauferkrankungen“, so Amelang. „Diese Erkenntnis deckt sich mit den Ergebnissen internationaler Untersuchungen.“ Die Frage, welche Prozesse im Einzelnen für den beobachteten Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Entwicklung von Krebs- und Herzkreislauferkrankungen verantwortlich sind, konnte allerdings nicht geklärt werden. Durch weitere Beobachtung der Studienbeteiligten hoffen die Forscher, diese und andere Fragen künftig beantworten zu können. „Darüber hinaus ist es auch forschungstechnisch sehr interessant, die Beteiligten über einen langen Zeitraum zu verfolgen“, so Amelang.

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