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Allgemeinmedizin 3. Mai 2006

Heimisches Cholesterin Management mangelhaft

Trotz Statintherapie erreichen 70 Prozent der Risiko-Patienten nicht die festgelegten LDL-Zielwerte. Daher empfehlen Experten in einem Positionspapier eine duale Cholesterin-Hemmung.

Experten sehen im derzeitigen österreichischen Cholesterin-Management eklatante Defizite. Denn weniger als ein Drittel der an koronarer Herzkrankheit (KHK) leidenden Patienten erhält eine Therapie, die internationalen Richtlinien entspricht. „Und selbst diese Minderheit wird nicht optimal behandelt, da in 70 von 100 Fällen der Cholesterinspiegel nur unzureichend gesenkt wird“, erklärte Prof. Dr. Gerald Maurer, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin II, anlässlich einer Pressekonferenz in Wien. „Das ist einfach eine inakzeptable Situation!“ Erdrückende Beweise für eine Verbindung zwischen Hyperlipidämie und erhöhter Inzidenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnten in internationalen Untersuchungen unterdessen mehrfach erbracht werden. Fast alle klinischen Studien zeigen eine lineare Beziehung zwischen dem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und der Höhe von Lipidwerten.

Restriktive Vorgaben für die nächsten Jahre

Für nächstes Jahr fordern daher führende österreichische Fachärzte, dass zumindest jeder zweite KHK-Patient den LDL-Cholesterin-Zielwert erreicht. „Das ist der einzige Weg, Mortalität und Morbidität von Risikopatienten effizient zu verbessern. Das Ziel der nächsten Jahre muss lauten, für alle KHK-Patienten in der Sekundärprävention einen LDL-Cholesterin-Zielwert von 100 mg/dl oder weniger zuwege zu bringen“, betont Maurer. Rezente Studien erhärten sogar den Verdacht, dass noch tiefere Zielwerte (unter 70 mg/dl) einen weiteren Vorteil bringen. In ihrem Positionspapier „Der Weg zum Ziel“ heben österreichische Experten aller Disziplinen den Stellenwert für präventive Maßnahmen hervor. Erhebungen offenbaren jedoch ein tristes Bild. Denn in der klinischen Praxis werden in der Sekundärprävention die geforderten LDL-C-Zielwerte trotz Einsatz von Statinen kaum erreicht. Dass dies auch für Österreich gilt, zeigte das 2005 initiierte ACT-Projekt. Die Analyse bei über 6.000 KHK-Patienten offenbarte, dass nur 31 Prozent den festgelegten LDL-C-Zielwert einhalten. Der durchschnittliche LDL-C-Wert aller Patienten lag sogar bei 126 mg/dl. Einen Grund für den schwachen Erfolg der Statine orten die Experten in der geringen Durchschlagskraft der Monotherapie. Sie fordern daher in ihrem Positionspapier einerseits höhere Dosen und andererseits die Kombination von Statinen mit Substanzen, die das LDL-Cholesterin über einen anderen Wirkmechanismus (etwa Cholesterinresorption) senken. Beim Einsatz höherer Statindosen muss allerdings mit Einschränkungen gerechnet werden, da Statine kein lineares Dosis-Wirkungs-Verhältnis aufweisen. Dies führt bei einer massiven Erhöhung der Statindosis zu einem relativ geringen Benefit bei deutlich höherem Risiko für Nebenwirkungen. Demzufolge ist eine Kombinationstherapie mit einem selektiven Cholesterin-Resorptionshemmer und einem Statin zu bevorzugen. Die in Studien erhobene hohe Erfolgsquote der Cholesterin-Resorptionshemmer könnte für viele österreichische Patienten mit KHK geringere Herz-Kreislauferkrankungs- und Mortalitätsraten bedeuten.

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