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Allgemeinmedizin 25. April 2006

Reisethrombose-Risiko laut Experten überschätzt

Vorsicht auf Flug- oder Busreisen ist jenen Patienten anzuraten, bei denen eine Thromboseneigung besteht. Bei mittlerem Risiko genügt das Tragen von Kompressionsstrümpfen.

Das Risiko einer Reisethrombose wird nach Ansicht einer internationalen Expertengruppe, die kürzlich an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) in Hall in Tirol getagt hat, überschätzt. Die Reise­thrombose ist eine Spezialform der „Sitzthrombose“. Blutgerinnsel in den Beinvenen können demnach nicht nur nach einem Langstreckenflug, sondern auch nach anderen Langstreckenreisen in beengter Sitzposition (z.B. Bus, Pkw) entstehen. „Obwohl die Abschätzung des tatsächlichen Reisethrombose-Risikos schwierig ist, dürfte insgesamt das absolute Risiko, eine Reisethrombose zu erleiden, überschätzt werden“, fasste Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger vom Institut für Urlaubs-, Reise- und Höhenmedizin der UMIT das Ergebnis der Diskussion zusammen. Tödliche Lungenembolien basierend auf einer Beinvenenthrombose nach Langstreckenreisen seien selten, hieß es in einer Aussendung. Generelle Vorsicht sei bei jenen Reisenden angesagt, die unabhängig von einer längeren Reise eine Thromboseneigung hätten.

Krebskranke sind gefährdet

Von den Reisethrombose-Experten rund um Dr. Bo Eklof aus Schweden und Prof. Dr. Hugo Partsch aus Wien wurden Personengruppen mit mittlerem und hohem Risiko definiert. Demnach finden sich beispielsweise Personen mit hohem Übergewicht oder Frauen, die die „Pille“ einnehmen, in der mittleren Risikogruppe. Langstreckenreisende, die bereits einmal eine Thrombose erlitten haben oder an einer Krebserkrankung leiden, sind der Gruppe mit hohem Thromboserisiko zugeordnet. Zur Vorbeugung könne den Reisenden mit mittlerem Risiko das Tragen eines Kompressionsstrumpfs empfohlen werden. Blutverdünnende Maßnahmen, am besten in Form einer Injektion von niedermolekularem Heparin in die Haut knapp vor Reiseantritt, müssten für die Hochrisiko-Gruppe, nach individueller Beratung mit dem Arzt, in Erwägung gezogen werden. Reichliche Bewegung sowie Flüssigkeitszufuhr seien bei einer längeren Reise auf jeden Fall zu empfehlen, hieß es.

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