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Innere Medizin 11. April 2006

Herausforderung diabetischer Fuß

Alle 30 Sekunden verlässt ein Unterschenkel aufgrund einer diabetischen Grund-erkrankung seinen angestammten Platz. Die so genannten Major-Amputationen werden weltweit etwa eine Million Mal im Jahr durchgeführt. Dabei hält die WHO 80 Prozent der Abnahmen für vermeidbar. In Wien trafen sich im März österreichische Experten, um die Komplikationen rund um den diabetischen Fuß erneut in Erinnerung zu rufen, denn bereits wenige Maßnahmen können viel bewirken.

Die Ursachen des diabetischen Fußes liegen in der verminderten Durchblutung und, als Folge der Neuropathie, herabgesetzten Sensibilität. So können bereits schlechtes Schuhwerk und einige Druckstellen zu einem Geschwür führen und am Beginn eines langen Leidensweges stehen. Die schmerzlosen Verletzungen an der Fußsohle, bleiben aufgrund ihrer exponierten Lage lange unentdeckt und selbst tiefe Geschwüre bereiten den Patienten kaum Schmerzen. Ist erst einmal ein diabetisches Fußsyndrom aufgetreten, besteht ein hohes Risiko für ein Rezidiv (die Rezidivrate liegt nach drei Jahren bei 70 Prozent). Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung am KH Rudolfstiftung und anerkannter Diabetologe zählt den diabetischen Fuß zu den größten Problemen im Zuge der Erkrankung. Schernthaner: „Der diabetische Patient ist eine besondere Herausforderung und braucht erhöhte Aufmerksamkeit. Diese sollte sich aber nicht nur auf Herz, Nieren und Augen der Patienten beschränken, sondern ebenso deren Füße einbeziehen. Leider unterschätzen sowohl Mediziner als auch Betroffene das Problem, was dazu führt, dass etwa die Hälfte aller Fußamputationen diabetische Patienten betrifft.“ Daher forderte Schernthaner Patientenschulungen in geeigneten Zentren und ein heimisches Diabetiker-Register, das neben einer verbesserten Betreuung auch geeignete Präventivmaßnahmen ermöglichen würde.

„Wir brauchen effizientere Rahmenbedingungen!“

Der Internist Dr. Günter Sokol kritisierte fehlende Abrechnungsmöglichkeiten für die Behandlung von Diabetes im niedergelassenen Bereich: „In Österreich gibt es zu wenig spezialisierte Zentren. Also ist es Sache des Allgemeinmediziners sich der aufwändigen Prophylaxe von Diabetespatienten zu widmen, wozu auch die Kontrolle der Füße, inklusive der Schuhe gehört. Denn nur was der Arzt Ernst nimmt, empfindet auch der Patient für wichtig. Leider führen Zeitdruck und fehlende Honorierung des hohen Aufwandes häufig zur Vernachlässigung. Daher müssen endlich notwendige Rahmenbedingungen geschaffen werden!“ Experten der WHO schätzen, dass rund ein Viertel der Gesamtkosten in der Diabetesbehandlung allein vom diabetischen Fuß verursacht werden. Ansätze, den Patienten viel Leid und dem Gesundheitssystem unnötige Ausgaben zu ersparen, gäbe es genug. Dabei stehen den Wundversorgern effiziente und moderne Therapien zur Verfügung. Beispielsweise geht die Vakuum-Therapie (siehe Seite 15) einen neuen Weg und nützt Unterdruck, um die Menge des Wundexsudats zu steuern, die Keimzahl zu erniedrigen und Neubildung von Granulationsgewebe zu forcieren. Die innovative Behandlung ist ambulant durchführbar und senkt die Spitalskosten. Neue Verbandsstoffe bestehen aus reaktionsfreien Silicon mit Poren und passen sich individuell der Wunde an. Verbände dieser Art müssen nur alle sieben Tage gewechselt werden und verursachen weder Schmerzen beim Abziehen noch Mazerationen der Wundränder. Andere Auflagen binden überschüssige Proteasen, die einen normalen Heilungsprozess verhindern und wirken aufgrund ihrer Silberbeschichtung bakterizid.

Chirurgie nicht immer zu spät

Prof. Dr. Maria Deutinger, Leiterin der Abteilung für Plastische Chirurgie am KH Hietzing wünscht sich öfter chirurgische Präventivarbeit zu leisten: „Wir hinken mit unseren operativen Maßnahmen im Regelfall immer einen Schritt hinterher. Dabei geht es auch anders.“ Deutinger verwies auf ein Verfahren, das sich an die Dekompression beim Karpaltunnelsyndrom anlehnt. Im Falle des diabetischen Fußes wird mithilfe eines unkomplizierten Eingriffes im Bereich des inneren Knöchels eine Druckentlastung diverser Nervenbahnen erreicht und dadurch die Sensibilität signifikant verbessert. Diese Technik, so Deutinger, sollte vor allem bei jungen Patienten zum Zuge kommen, bei denen zwar erste Anzeichen einer Neuropathie vorliegen, jedoch noch kein Ulkus.

Quelle: AWA-Pressekonferenz „Falle diabetischer Fuß“; 23.3.2006, Wien

Veranstaltungshinweis: AWA 2006
8. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung, 21. bis 22. April (www.a-w-a.at)

 Die zehn Gebote des diabetischen Fusses

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