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Innere Medizin 11. April 2006

Die Krebsbehandlung wird immer spezifischer

Neue Strategien gegen Krebs und verbesserte Ansätze zur Versorgung der Patienten waren zwei Themenkomplexe beim Deutschen Krebskongress vom 22. bis 26. März 2006 in Berlin.

Trotz der Fortschritte in der Krebstherapie, etwa durch bessere Kombinationstherapien und neue Krebsmedikamente, ist eine Heilung derzeit nur bei wenigen Patienten möglich. Deshalb wird intensiv nach neuen Möglichkeiten gesucht, Krebszellen unschädlich zu machen. Wie erfolgreich diese Suche sein kann, belegen die Therapie-Erfolge mit Tyrosinkinase-Hemmstoffen gegen chronische myeloische Leukämie, aber auch Medikamente, mit denen die Blutgefäßbildung in Tumoren gestoppt wird. Dies gelingt etwa mit monoklonalen Antikörpern wie Bevacizumab, der an den Rezeptor des Gefäßwachstumsfaktors VEGF bindet. Beim Krebskongress in Berlin wurden auch Wirkstoffe gegen andere Angriffspunkte vorgestellt. Darunter ist der Angiokinase-Hemmer BIBF 1120, der bereits klinisch bei soliden Tumoren geprüft wird. Erforscht werden nicht zuletzt auch Hemmstoffe gegen das Enzym Telomerase, durch das Zellen in den normalen Alterungsprozess überführt werden und absterben. Ebenso in klinischen Studien bei Krebs geprüft werden mTOR-Hemmer (mTOR, „mammalian Target Of Rapamycin“), wie Sirolimus, die in der Transplantationsmedizin erfolgreich eingesetzt werden. Dem Traum der Onkologen, der Impfung gegen Krebs, ist Prof. Dr. Gerold Schuler von der Universität Erlangen einen Schritt näher gekommen und erhielt dafür den Deutschen Krebspreis 2006. In einer Phase-3-Studie hat der Forscher mit Kollegen aus Mannheim belegt, dass die subkutane Impfung mit patienteneigenen dendritischen Zellen bei metastasiertem Melanom wirksamer ist als die Standardtherapie mit Dacarbazin. Bei Patienten mit Pankreas-Ca könnte eine Impfung mit bestrahlten Tumorzellen sogar lebensverlängernd sein, wie eine Studie mit 60 Patienten kürzlich ergeben hat. Indirekt schützt eine Impfung gegen Infektionserreger vor Krebs, z.B. gegen Hepatitis B- oder humane Papillomviren (HPV). Recht fortgeschritten ist die Entwicklung bereits beim Zervix-Ca. Die Zulassung des Impfstoffs gegen die HPV-Typen 6, 11, 16, und 18 ist beantragt. Nach Ansicht von Prof. Dr. Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut in Langen wird Krebs die Indikation sein, bei der es in Westeuropa die erste Zulassung für eine Gentherapie geben wird. In China ist eine solche Therapie für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren bereits zugelassen.

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