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Innere Medizin 13. April 2006

Gewicht verlieren ist nicht schwer, Gewicht dann halten, aber sehr

Erfolgreiche Gewichtsreduktion bei Adipositas - Ergebnisse der "Lean Habits Study"

Experten sind sich einig: Die Langzeitergebnisse in der Adipositastherapie sind nach wie vor unbefriedigend. Durch eine Beratung hinsichtlich Fettreduktion und vermehrter körperlicher Bewegung gelingt es vielen Adipösen zwar, Gewicht zu verlieren. Die Langzeitergebnisse sind aber enttäuschend, denn das Gewicht auch zu halten, schafft nur ein sehr kleiner Teil der Übergewichtigen. Welche Verhaltensstrategien setzen nun diejenigen ein, die ihr Gewicht halten können? Antwort auf diese Frage soll eine Studie geben: Die "Lean Habits Studie" ist eine prospektive Kohortenstudie mit über 8000 Teilnehmern, die im Jahr 1998 vom Hamburger Ernährungspsychologen Prof. Dr. Joachim Westenhöfer in Kooperation mit dem Unternehmen PreCon gestartet wurde. PreCon bietet die so genannte BCM-Diät (siehe Kasten) an.

Bei den Teilnehmern erfasst werden mehrere Verhaltensebenen wie die kognitive Kontrolle des Essverhaltens, Mahlzeitenhäufigkeit und -rhythmus, Auswahl der Nahrungsmittel, Frequenz und Ausmaß körperlicher Bewegung und der Bereich Stressbewältigung und Entspannung. Die Teilnehmer werden über drei Jahre beobachtet.

Westenhöfer präsentierte nun im Rahmen des ECO (European Congress on Obesity), der Ende Mai in Wien stattfand, neueste Studienergebnisse. Nach der Intention-to-treat-Analyse (also die ausgewerteten Daten aller derer, die die Studie begonnen haben) gelten 34 Prozent der Studienteilnehmer nach einem Jahr als erfolgreich und 19,4 Prozent nach zwei Jahren - und das, obwohl von über 50 Prozent der Teilnehmer noch keine Daten vorliegen. Als erfolgreiche Gewichtsabnahme wird eine Reduktion des Ausgangsgewichtes um mindestens fünf Prozent des Ausgangsgewichtes bezeichnet. In Bezug auf Verhaltensparameter wie Mahlzeitenrhythmus, Qualität der Speisen, flexible Kontrolle des Essverhaltens und Stressbewältigung kommt es im Rahmen der Therapie zu einer Verbesserung.

Was die Studie deutlich zeigt: Entscheidend für langfristige Erfolge sind Veränderungen auf mehreren Verhaltensebenen. Patienten müssen motiviert werden, möglichst viele der veränderten Verhaltensweisen auch beizubehalten. Regelmäßiger Check-up und Kontakt zur Beratungsstelle sind daher für eine erfolgreiche Ernährungsberatung von Bedeutung. Offen ist unter anderem allerdings noch die Frage, wie intensiv eine weitere Betreuung sein muss.

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