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Innere Medizin 29. März 2006

Interview mit Prim. Dr. Norbert Zinnagl, konservative Angiologie, St. Johanns-Spital Salzburg

Die Phlebologie hat in der Dermatologie einen bedeutenden Stellenwert. Vor allem in der Praxis werden die niedergelassenen Kollegen zunehmend mit Frühzeichen von Venenerkrankungen, aber auch massiven venös bedingten Krankheitsbildern konfrontiert. Der Salzburger Dermatologe Prim. Dr. Zinnagl erläutert praxisrelevante Probleme der Varikosen, Thrombosen, sowie der chronisch venösen Insuffizienz.

Unter welchen Umständen kann es zu einer chronisch venösen Insuffizienz kommen?

ZINNAGL: Die chronisch venöse Insuffizienz, CVI, ist ein gut umschriebener Begriff. Bei einem andauernden venösen Schaden durch eine Stammvarikose oder insuffiziente Venae perforantes kann sich dieses Krankheitsbild entwickeln.

Im betroffenen Bein herrscht ein erhöhter venöser Druck, eine ambulatorische venöse Hypertonie. Nach einer ausgeprägten Thrombose kann es bereits nach zwei oder drei Jahren zu einem derartigen Zustandsbild kommen. Bei Vorliegen einer Varikose kann es bis zu drei Jahrzehnten dauern.

Welche Maßnahmen eignen sich, um eine CVI zu vermeiden?

ZINNAGL: Um einer CVI entgegenzusteuern, eignen sich eine konsequente Kompressionstherapie, eventuell ein Venenstripping beziehungsweise eine Varizen-Operation. Sind mehrere tiefe Vene betroffen, so ist häufig keine Operation möglich.

Die lokale Therapie obliegt dem Dermatologen: Nach einer Kortikoidbehandlung wird topisch kortisonfrei behandelt, stets sollte ein Kompressionsverband angelegt sein.

Bei Vorliegen eines Ulcus cruris stehen heutzutage verschiedenste Folien und Schaumstoffe zur Verfügung. Sie verursachen weniger Allergien, sind leicht applizierbar und daher auch gut für die Hauskrankenpflege geeignet. Ein längerer Spitalsaufenthalt aufgrund eines Ulcus ist nicht mehr üblich.

Wie wirkungsvoll kann die Pharmakotherapie in diesem Bereich eingestuft werden?

ZINNAGL: Als gute Methode mit beschränkten Möglichkeiten stehen auch pharmakologische Substanzen zur Verfügung, welche die Gefäßwand der Venen stabilisieren. Meist handelt es sich um Flavinoide, Samenextrakte der Rosskastanie.

Die mikronisierte Form ist hier wahrscheinlich von Vorteil. Die Wirkung all dieser Präparate ist jedoch begrenzt. Sie können die Kompressionstherapie sicher nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen. Am besten helfen diese Präparate bei subjektiven Beschwerden geringerer Ausprägung und bei Schwellungszuständen.

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