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Innere Medizin 22. März 2006

Gute Nachricht für nimmermüde Sportler

Körperliche Betätigung hat bekanntlich einige positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System. Sport kann unter anderem die altersbedingte Abnahme der Dehnbarkeit des Herzmuskels bremsen. Das allerdings erfordert echte Arbeit.

Dr. Benjamine Levine aus Dallas im US-Bundesstaat Texas hat auf dem Kongress des American Col­lege of Cardiology eine Untersuchung vorgestellt, bei der er die Herzfunktion von mindestens 65-jährigen Probanden ohne bekannte koronare Herzerkrankung überprüfte. Er untersuchte dabei zum einen Durchschnittsrentner, die sich in ihrem Erwachsenenalter maximal zweimal pro Woche für jeweils maximal 30 Minuten sportlich betätigt hatten. Zum Vergleich dienten athletische Alte, die seit mindestens 25 Jahren pro Woche mindestens 32 Kilometer joggen. Gemessen wurden etliche Parameter der kardialen Leistung, darunter das Schlagvolumen und mehrere Blutdruckparameter im großen und kleinen Kreislauf, außerdem die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes, die unter anderem von der Herzleistung abhängt.

Geringe Herz-Compliance

Die Wissenschaftler haben belegt, dass bei den Durchschnittsrentnern für jede Veränderung des Schlagvolumens höhere Druckwerte im kleinen Kreislauf nötig waren. Die Dehnbarkeit oder Compliance des Herzens war also geringer, oder, anders ausgedrückt, die Forscher registrierten eine altersabhängige diastolische Dysfunktion. Das war zunächst einmal zu erwarten. Interessant waren nun die Ergebnisse bei den Athleten: „Hier entsprachen unsere Messergebnisse und Druck-Volumen-Kurven exakt denen bei jungen Menschen“, so Levine. Lebenslanges, intensives Training führe offensichtlich dazu, dass die altersbedingte Abnahme der kardialen Compliance nicht stattfinde. Das ist die gute Nachricht für Sportler. Levine hatte auch eine schlechte. Wer der diastolischen Dysfunktion im Alter vorbeugen will, muss lange Jahre kräftig Sport treiben. In einer zweiten Studie ließ Levine seine Durcschnittsrentner ein Jahr lang eine Stunde am Tag Sport machen. Dies veränderte zwar die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität. Es änderte aber rein gar nichts an der kardialen Compliance.

Erklärung der Experten

Warum ist das so? Levine vermutet, dass die Steife des Herzens im Alter unter anderem durch langlebige glykosylierte Eiweiße zustande kommt, biochemisch ähnlich dem HbA1c bei Diabetikern. Deren Entstehung könnte durch regelmäßigen Sport eventuell verhindert werden. Einmal entstandene Glykoproteine verschwinden jedoch nicht wieder, wenn nach langer Bewegungsarmut plötzlich ein Jahr lang intensiver Sport gemacht wird. Es gibt also einen kardialen Jungbrunnen, aber das Wasser ist nicht umsonst.

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