zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 22. März 2006

Magenbypass gegen Übergewicht

Ultima ratio zur Gewichtsreduktion: Die heute angebotenen chirurgischen Verfahren bewirken entweder eine Reduktion der Nahrungszufuhr oder eine verminderte Verwertung der aufgenommenen Nahrung. Der Magenbypass nutzt beide Effekte.

Die Möglichkeiten für übergewichtige Patienten, ihr Gewicht zu reduzieren, sind mannigfaltig: Diät, Verhaltensmodifikation, körperliche Betätigung, Medikamente und schließlich die chirurgische Intervention. Vor allem schwer Übergewichtigen hilft nur mehr ein operativer Eingriff. Bereits ein Fünftel aller erwachsenen Europäer leiden an Adipositas (BMI =30kg/m²), die Tendenz ist stark steigend. „Ab einem BMI von 40 ist die Sterblichkeit gegenüber einem Normalgewichtigen um das 2,5-fache erhöht“, betont Doz. Dr. Gerhard Prager, Leiter der Arbeitsgruppe bariatrische (=Fettsucht) Chirurgie am AKH Wien.

Messbare Therapieeffekte

Eine effiziente Behandlung schwer übergewichtiger Patienten kann die Mortalität senken. Außerdem kommt es zu einer Ver-besserung bzw. Heilung Adipositas-assoziierter Erkrankungen und einer Erhöhung der individuellen Lebensqualität. Die effektivste Behandlung der morbiden Adipositas bietet die bariatrische Chirurgie. Kontraindikationen für eine der angebotenen Operationen sind unter anderen endokrine Ursachen des Übergewichts, wie Morbus Cushing, Cushing-Syndrom oder unsubstituierte Hypothyreose, sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit und Schwangerschaft. Unterschiedliche chirurgische Verfahren kommen zu Anwendung: Das verstellbare Magenband (Gastric Banding) ist der häufigste bariatrische Eingriff in Österreich. Er bewirkt, wie auch die „Magenschlauch-Operation“ (Sleeve Resection), eine Reduktion der Nahrungszufuhr; beides sind „restriktive Verfahren“.

Malabsorption zeigt Wirkung

„Biliopankreatische Diversion“ und „Duodenal Switch“-Operation sind rein malabsorptive Methoden. Die dadurch verminderte Verwertung der aufgenommenen Nahrung bewirkt den größten Gewichtsverlust mit durchschnittlich 80 Prozent des Übergewichts, allerdings auch ein deutlich höheres Risiko für Mangelerscheinungen, wie Eiweiß-, Eisen-, Vitamin- und Ca++-Mangel. „Der Magenbypass kombiniert restriktive und malabsorptive Elemente“, erklärt Prager. Dieser Eingriff stellt in den USA mittlerweile die am häufigsten durchgeführte Operation dar. In den letzten drei Jahren zeigt sich aber auch in Österreich ein deutlicher Trend zu dieser chirurgischen Intervention. „Es gibt bei den verschiedenen Techniken natürlich Vor- und Nachteile“, so Prager. Deshalb müsse die OP-Methode individuell auf den Patienten und seine Lebensumstände abgestimmt werden. Essverhalten, Compliance und angestrebter Gewichtsverlust sind drei der zu beachtenden Kriterien. „Die bariatrische Chirurgie hat sich zu einer anerkannten Therapie bei der Behandlung der morbiden Adipositas entwickelt“, so Prager. „Alles in allem kann man sagen, dass die Ergebnisse für sich sprechen.“

Nachteil der Magenband-Op

Nach einer Magenband-Opera-tion kann der Patient zwar nur kleinere Mengen fester Nahrung zu sich nehmen, hochkalorische Getränke und Süßigkeiten wie Schokolade und Cola können das Band aber problemlos passieren. In diesem Fall (den sog. „Sweeteater“) würde Prager eher zu einem Magenbypass raten. „Die Anlage eines Magenbypass ist chirurgisch sehr aufwändig und nur schwer reversibel“, berichtet Prager. „Im Gegensatz zum Banding wird beim Bypass aber kein Fremdmaterial verwendet.“ Die Langzeitergebnisse seien ausgezeichnet, die Patienten verlieren im Durchschnitt 60 bis 75 Prozent ihres Übergewichts. Eine neue Art von Magenschrittmacher, der bisher nur in Studien angewandt wurde, soll ein vorzeitiges Sättigungsgefühl induzieren. Die damit versorgten Patienten konnten nach einem Jahr im Durchschnitt ein Drittel ihres Übergewichts abbauen, berichtet Prager über erste Ergebnisse. Die etablierten chirurgischen Verfahren (Banding Bypass, Bi­liopankreatische Diversion und Duodenal Switch) lassen nach 24 Monaten einen Gewichtsverlust von 50 bis 80 Prozent des Übergewichtes erwarten. „Die Patienten nehmen kontinuierlich ab und ihre Lebensfreude steigt“, ergänzt der Chirurg. Die bariatrische Chirurgie zeigt neben der Gewichtsreduktion noch weitere Effekte. Bis zu 70 Prozent der stark übergewichtigen Typ-2-Diabetiker werden laut Prager durch den Eingriff von der Zuckerkrankheit geheilt (50% nach Band, 70% nach Bypass und >90% nach Duodenalswitch oder nach biliopankreatischer Diversion). In Österreich sind Eingriffe zur Gewichtsreduktion bewilligungspflichtig. Die Krankenkassen zahlen in der Regel ab einem BMI von 40 bzw. 35, wenn bereits Begleit­erkrankungen aufgetreten sind. „Die Chirurgie ist nur ein Teil des interdisziplinären Behandlungskonzeptes“, betont Prager, der eng mit Internisten, Psychologen, Diätologen und plastischen Chirurgen zusammenarbeitet. Mitunter sei es auch erforderlich, die überschüssige Haut, die sich beim Abnehmen bildet, chirurgisch entfernen zu lassen.

Kontakt und Info: Doz. Dr. Gerhard Prager, AKH Wien;

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben