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Innere Medizin 28. März 2006

Neues in der Diagnostik viraler Meningitiden

Direkter Erregernachweis mittels PCR revolutionierte die Diagnostik von Virusinfektionen des ZNS

"Die Diagnostik von Virusinfektionen des ZNS durch direkten Erregernachweis im Liquor ist einer jener Bereiche der Virusdiagnostik, der durch den Einsatz der PCR-Technologien revolutioniert wurde", sagt Dr. Elisabeth Puchhammer vom Institut für Virologie der Universität Wien. "Enteroviren sind jene Pathogene, die an unserem Institut am häufigsten im Liquor nachgewiesen werden", so die Virologin weiter. "Diese Viren verursachen meist gutartige Meningitiden im Kindesalter und machen 70 Prozent aller bei uns untersuchten Virus-positiven Liquores aus." 

In 27% aller PCR-positiven Liquores wurden Viren der Herpesvirusgruppe identifiziert, die im Gegensatz zu den Enteroviren oft die Ursache von schweren Infektionen des ZNS sind und zu tödlichen Verläufen oder schweren Restschäden führen können. Während die durch Herpes simplex Virus Typ 1 (HSV-1), HSV-2 und Varicella Zoster Virus (VZV) verursachten ZNS Erkrankungen als Enzephalitis, Meningitis oder Myelitis quer durch die Normalbevölkerung auftreten können, sind Cytomegalie oder Epstein Barr Virus-Infektionen nur bei immunsupprimierten Patienten mit ZNS-Manifestationen assoziiert. 

Frühdiagnostik vor allem bei Herpesviren wichtig

"Die frühe Diagnostik aus dem Liquor ist bei Herpesviren besonders wichtig, zumal es ja Virustatika gibt, die bei rascher Anwendung eine ausgezeichnete Wirkung aufweisen", betont Puchhammer. Die Analyse der Daten aus den letzten Jahren habe auch neue Aspekte für die PCR Diagnostik aus dem Liquor ergeben. "Seit etwa zwei Jahren empfehlen wir bei akuten, aber auch chronischen ZNS-Erkrankungen eine möglichst breite Testung der Liquores auf verschiedene Viren, eine Empfehlung, die von den behandelnden Ärzten auch sehr ernst genommen wurde", berichtet Puchhammer und nennt am Beispiel des Varizella-Zoster-Virus die Auswirkung dieser breiten Testung: "Während im Jahr 1995 nur 3 VZV assoziierte ZNS-Erkrankungen diagnostiziert wurden, waren es 2001 bereits 21. Von der Klinik der Patienten wurde eher eine HSV-1- oder -2-Infektion vermutet."

Offenbar sind die Zoster-Hautläsionen oft nicht eindeutig VZV zuzuordnen oder als "zoster sine herpete" überhaupt nicht sichtbar. Ein zweiter neuer Aspekt in der Liquordiagnostik ist der Einsatz von Methoden zur quantitativen Bestimmung von Virusnukleinsäure im Liquor. Vor allem bei Herpesviren ist dies bereits die Methode der Wahl in der Virusdiagnostik. "Hier hat sich gezeigt, dass die Virusmenge bei HSV-1 oder -2 und bei VZV im Liquor Rückschlüsse auf die Schwere der Erkrankung erlaubt, was sich auf die individuelle Behandlungsdauer auswirken kann", erklärt Puchhammer. In der nächsten Zeit wird auch der Frage nachgegangen, ob von der Virusmenge im Liquor auf die Wahrscheinlichkeit von Restschäden geschlossen werden kann. Das betrifft vor allem auch Neugeborene mit Herpesvirusinfektionen: "Man denke hier vor allem an perinatale Herpes Simplex Infektionen oder kongentiale Infektionen mit CMV, die ja bei den einzelnen Kindern durchaus unterschiedlich verlaufen", so die Expertin abschließend.

Quelle: Virusepidemiologische Information - Nummer 05/02 des Instituts für Virologie der Universität Wien.

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