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Innere Medizin 20. März 2006

Alkohol und Kaffee machen keinen Reizdarm

Reizdarm-Geplagte meinen oft, sich von jeglichem Genuss in Tasse und Glas fernhalten zu müssen. Doch wenn bei den Symptomen Obstipation im Vordergrund steht, kann sogar das Gegenteil der Fall sein.

Rund 13 Prozent der Menschen sind betroffen, Frauen häufiger als Männer, und die Ursachen sind noch weitgehend unklar. Durch Kaffee, Alkohol und Tabak wird Reizdarmsyndrom (RDS) jedoch nicht verursacht. Über einen Einfluss auf die Symptome – sowohl einen negativen als auch, beim Kaffee, einen positiven – wird aber immer wieder berichtet. Daran erinnerte Prof. Dr. Hubert Mönnikes, Oberarzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Berliner Charité, beim Gastroenterologen-Kongress in Köln. Viele Patienten mit Reizdarm geben an, Kaffee, Nikotin oder Alkohol nicht zu vertragen. Theoretisch lässt sich das durchaus begründen, denn alle drei Genussgifte steigern die Darmmotilität. Auch die übrigen Faktoren, die beim Reizdarm von Bedeutung sind, etwa die Hypersensibilität des Darms auf Reize und eventuell mikroskopische Entzündungen, könnten durch Tabak, Alkohol und Kaffee negativ beeinflusst werden.
Bestätigt wird das durch eine Untersuchung von Prof. Dr. Stefan Müller-Lissner von der Park-Klinik Weißensee in Berlin, in der Reizdarm-Patienten, chronisch Obstipierte und gesunde Kontrollpersonen Angaben zur Verträglichkeit bestimmter Lebensmittel machten: Jeweils ein Drittel der Patienten hatte angegeben, dass durch Alkohol, Nikotin oder Kaffee der Stuhl weicher und Diarrhöen häufiger würden.
Etwa 14 Prozent der Reizdarmpatienten meiden wegen der weicheren Stühle diese Genussmittel, hat auch bereits 2001 eine andere, schwedische Studie ergeben. Doch hätten sich die Angaben der Patienten als nicht sehr spezifisch erwiesen, sagte Mönnikes. „Kaffee steht auf der Hitliste der schlecht vertragenen Nahrungsmittel auf Platz sieben, auch bei Menschen ohne Reizdarm“, so der Gastroenterologe. Assoziiert war die Kaffee-, Tabak- und Alkohol-unverträglichkeit in der Studie nur mit Ängsten, nicht mit Darmproblemen. In epidemiologischen Studien in den USA, den Niederlanden und der Türkei habe sich keine Beziehung zwischen Reizdarm und Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum ergeben. „Der Reizdarm erzeugt die Intoleranz, nicht die Genussgifte den Reizdarm!“, so Mönnikes. Patienten mit Reizdarm und hauptsächlich Obstipations-Problemen könnten sogar von der laxierenden und – bei Kaffee – auch stuhlinduzierenden Wirkung profitieren.

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