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Innere Medizin 14. März 2006

Wirbelbruch-OP bei Osteoporose hat Zeit

Vor allem bei unkontrollierbaren Schmerzen sollten Patienten mit osteoporotischer Wirbelkörperfraktur operiert werden. Orthopäden warnen aber auch vor den Risiken.

Bei der Vertebroplastik wird ein frakturierter Wirbelkörper zur Stabilisierung mit flüssigem Knochenzement aufgefüllt. Bei der Kyphoplastik wird der Wirbel zuvor noch mit einem Ballon aufgerichtet. Beides sind ausgezeichnete Verfahren zur Schmerztherapie bei Wirbelkörperfrakturen, wie Prof. Dr. Jörg Jerosch vom Johanna Etienne-Krankenhaus in Neuss auf dem Orthopädenkongress in Berlin letzten Herbst betonte. Besonders bei kyphosierenden Frakturen im thorakolumbalen Übergang wendet der Orthopäde diese Methoden gerne an. „Es gibt allerdings keine Indikation, das sofort zu tun“, so Jerosch. Etwa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen könne durch eine rein medikamentöse Schmerztherapie geholfen werden.

Zuerst Schmerztherapie

Erst wenn sich nach zwei bis vier Wochen abzeichnet, dass die medikamentöse Behandlung nicht den gewünschten Effekt hat, bringt Jerosch die invasiven Verfahren ins Spiel. Den Zeitraum zwischen sechs bis zwölf Wochen nach dem Ereignis hält er für das günstigste Zeitfenster für den Eingriff. Dieses Abwarten nach der Fraktur reduziert die Komplikationsrate, ohne den schmerztherapeutischen Effekt der Vertebro- und Kyphoplastiken zu verringern, wie der Experte gesagt hat. So hätten Studien gezeigt, dass es bei einem Eingriff innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Ereignis statistisch signifikant häufiger zu Zementaustritten aus dem Wirbelkörper in die umgebenden Strukturen komme.

Wirbelkörper nicht überfüllen

Die Wahrscheinlichkeit eines Zementaustritts könne ebenfalls vermindert werden, wenn auf eine Überfüllung des Wirbelkörpers mit Zement verzichtet werde. Generell sei dieses Problem bei der allerdings etwa zehnmal teureren Kyphoplastik deutlich seltener als bei der reinen Vertebroplastik. Zu den Langzeiterfolgen des aufrichtenden Eingriffs lässt sich derzeit noch wenig sagen. Es gebe Hinweise, dass der positive Effekt auf ein halbes bis ein Jahr limitiert sei, so Jerosch. Trotzdem ist sein Fazit positiv: Keinem anderen Verfahren gelinge es, die Patienten so schnell wieder schmerzfrei zu machen. Ohne Schmerzen sieht Jerosch keine Indikation für den Eingriff. Bei multiplen Frakturen lasse sich der Wirbel, der die Probleme macht, klinisch am druckschmerzhaften Dornfortsatz erkennen. Alternativ liefert eine Kernspintomographie die gewünschte Information.

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