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Innere Medizin 14. März 2006

Exotisches Virus wütet in Urlaubsgebieten

„Chikungunya“ heißt ein bisher wenig bekanntes Virus, das sich auf den vor der afrikanischen Ostküste gelegenen Inseln im Indischen Ozean seit Monaten stark ausbreitet und unter der dort einheimischen Bevölkerung bereits Todesopfer gefordert hat. Die Gefahr einer Ansteckung mit der fieberhaften Erkrankung scheint für Urlauber jedoch relativ gering zu sein.

Das Virus verursacht eine „als subjektiv schwer empfundene Krankheit“, so Prof. Dr. Heinrich Stemberger, Leiter des Instituts für Reise- und Tropenmedizin in ­Wien, die aber „als harmlos einzustufen“ ist. Zwar sind laut Auskunft des Tropeninstituts noch keine Österreicher mit dem Virus als Souvenir von ihrem Überseeurlaub zurückgekommen, doch bei deutschen Reiserückkehrern wurde das Virus bereits nachgewiesen. So hatte sich eine 63-jährige Münchnerin auf Mauritius mit dem Chikungunya-Virus infiziert. Auch das Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg berichtet von mehreren Infektionen bei Reiserückkehrern. Reisemedizinisch tätige Ärzte werden sicher häufig auf das Virus angesprochen werden. Urlaubern in Risikogebiete können sie dann nur raten, sich rund um die Uhr vor Mücken zu schützen. Denn das Chikungunya-Virus wird von tag- und nachtaktiven Aedes-Mücken übertragen, und es gibt noch keinen Impfstoff.

Mückenschutz hilft

Am besten wirken so genannte Repellents, mit denen man sich alle zwei bis drei Stunden einschmieren sollte – und zwar über die Sonnencreme. Schweiß und Parfüm ziehen Mücken übrigens an. Unter einem Moskitonetz zu schlafen ist sinnvoll. Das Wort „Chikungunya“ ist Kisuaheli und bedeutet „gekrümmt laufen“. Tatsächlich bekommen Infizierte nach einer Inkubationszeit von drei bis zwölf Tagen plötzlich starke Muskel- und Gelenkschmerzen, die ein charakteristisches Gangbild bedingen. Außerdem tritt hohes Fieber auf. Das Krankheitsbild ähnelt somit dem Dengue-Fieber, wobei schwere Verläufe mit Meningitis und Hämorrhagien bei Chikungunya-Infizierten viel seltener sind. Die Patienten können nur symptomatisch behandelt werden. Die Krankheit heilt meist spontan aus, zuweilen leiden die Patienten aber noch nach Monaten unter Abgeschlagenheit. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Ob die Infektion eine Immunität hinterlässt, ist unklar.

Keine Epidemiegefahr in Europa

Am schlimmsten betroffen ist die zu Frankreich gehörende Insel La Réunion. Dort sprechen Tropenmediziner von epidemischen Ausmaßen. Seit Beginn der Regenzeit im Dezember hat die Zahl der Infektionen dort exponentiell zugenommen. Mittlerweile sind bereits 204.000 Inselbewohner mit dem Virus infiziert. Laut französischem Gesundheitsminister Xavier Bertrand starben bisher 125 Menschen an Komplikationen, hauptsächlich Alte und Kinder. In der Bevölkerung wachse die Angst vor einer weiteren Ausbreitung und einer möglichen Mutation des Virus, beschreiben Tropenmediziner vor Ort die Situation. Inzwischen sind 2.400 französische Soldaten im Einsatz. Sie sollen mit Pestiziden die Brutstätten der Moskitos austrocknen. Die Moskitobekämpfung war auf La Réunion nach Ausrottung der Malaria stark eingeschränkt worden.Auch aus Mauritius wurden über 200 mit Chikungunya-Infizierte gemeldet. Außerdem betroffen sind Madagaskar, die Komoren und die Seychellen. In Frankreich wurden bei über 30 Reiserückkehrern aus La Réunion Infektionen nachgewiesen. Es bestehe keine Gefahr, dass sich das Virus auch in Europa ausbreitet, so die französische Zeitung Le Monde. Sobald eine gewisse Durchseuchung der Bevölkerung stattgefunden hat, kommt die Epidemie automatisch zum Stillstand, heißt es aus dem Tropeninstitut.

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