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Innere Medizin 8. März 2006

Allergien sind keine Bagatelle

Allergische Erkrankungen nehmen in den westlich orientierten Gesellschaften rasant zu. Eine wichtige Ursache für diese Entwicklung liegt in der steigenden Umweltbelastung, die für zunehmende Aggressivität der Allergene verantwortlich ist. Mit Zunahme des Spektrums der Allergieauslöser bilden sich immer neue und größere Gruppen verwandter Allergene. Das menschliche Immunsystem reagiert auch deshalb fehlerhaft, weil es durch Stress, Hektik, Ernährungsfehler und Bewegungsmangel geschwächt ist.

Die allergische Rhinitis hat mit rund 20-prozentiger Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung die Ausmaße einer Pandemie erreicht. „Allergien sind keine Bagatelle“, betont Prim. Dr. Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Lungenabteilung, Otto-Wagner-Spital, Wien, „denn 40 Prozent der nicht behandelten Allergiker erkranken an Asthma. Um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, müssen die Patienten oft einen langen Heilungsweg beschreiten. Zu den einzelnen Schritten dieses Heilungsweges zählen Allergenprävention, Antiallergika, Immuntherapie sowie Methoden der Kom-plementärmedizin wie Akupunktur, Bioresonanz, Aromatherapie, Homöopathie und bioelektrische Regulationstherapien.“

Asthmaanfall als „Spitze des Eisberges“

Bei einem akuten Asthmaanfall verkrampft sich die Bronchialmuskulatur. Dadurch wird vor allem das Ausatmen erschwert. Jetzt entsteht eine paradoxe Situation: Obwohl der Betroffene Atemnot empfindet, hat er nicht zu wenig, sondern zu viel Luft in den Alveolen. Mit dieser „Überblähung“ beginnt ein Teufelskreis: Je stärker der Asthmatiker versucht einzuatmen, um so schlimmer werden Atemnot und Erstickungsgefühl. Der Asthmaanfall ist aber nur die „Spitze des Eisberges“. Die gefährliche Basis bildet die chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut, die zu einer Überempfindlichkeit der Atemwege führt. Je länger die Entzündung besteht, um so empfindlicher werden die Atemwege. Akute Atemwegsinfekte verstärken zusätzlich die Atemwegsentzündung und fördern so das Auftreten eines Asthmaanfalls. Prof. Dr. Meinhard Kneussl, 2. Medizinische Abteilung – Lungenabteilung am Wilhelminenspital in Wien: „Schon die allergische Rhinitis ist eine ernstzunehmende Erkrankung und häufig sogar ein Asthmavorbote. Allergie und Asthma sind sehr eng miteinander verknüpft. Bei Kindern ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung überhaupt. Mit Asthma kann man aber aktiv und gut leben, wenn es frühzeitig und adäquat behandelt wird. Unbehandeltes schweres Asthma kann jedoch tödlich sein. Besonders die Fehleinschätzung durch die Patienten selbst und die Angst vor Nebenwirkungen der verordneten Medikamente führen dazu, dass Asthma nicht in dem Maße behandelt wird, wie es sinnvoll wäre.“

Moderne Testverfahren zeigen sehr oft Kreuzallergien

Durch moderne Testverfahren können die Ursachen der Allergie rasch geklärt werden. Dabei werden immer öfter Kreuzallergien festgestellt. Menschen mit Kreuzallergien reagieren zum Beispiel häufig nicht nur auf Birkenpollen, sondern zugleich auch auf bestimmte Nahrungsmittel wie Äpfel oder Nüsse.
Allergisches Asthma ist eine durch Allergene getriggerte, chronisch entzündliche Erkrankung. Ziel der Behandlung sind möglichst geringe Symptome oder körperliche Einschränkungen und ein Minimalverbrauch an Medikamenten. Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn der Patient über seine Erkrankung und seine Medikamente gut informiert ist. Erst die richtige Anwendung der Medikamente, vor allem die Bedarfsanpassung im Notfall, schützt ihn vor Notfallsituationen. Zur Akuttherapie werden inhalative „Reliever“ oder „Befreier“ verwendet. Zu diesen antiobstruktiven Medikamenten zählen neben Betamimetika auch Theophyllin und Anticholinergika. Die antientzündlichen Medikamente bezeichnet man als „Con-troller“ oder „Beschützer“. Zu den Controllern gehören Kortikoste-roide, Leukotrien-Antagonisten und die Cromoglicinsäure (DNCG). Die Cromoglicinsäure wirkt vor allem antiallergisch, während die antiinflammatorische Wirkung eher gering ist. Das Medikament muss üblicherweise viermal täglich inhaliert werden. Kortikosteroide besitzen eine starke antientzündliche Wirkung. Bei richtiger Anwendung sind die inhalativen Kortikosteroide in niedrigen Dosierungen praktisch frei von Nebenwirkungen. Leukotrien-Antagonisten richten sich gezielt gegen Leukotriene, entzündungsfördernde Botenstoffe, bei allergischem Asthma und allergischer Rhinitis. Leukotrien-Antagonisten besetzen die Rezeptoren der Leukotriene und unterdrücken so die Entzündung. Aufgrund ihres Wirkmechanismus können sie die Beschwerden nicht nur bei allergisch bedingtem Asthma lindern, sondern auch bei begleitendem Heuschnupfen.

 

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