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Innere Medizin 8. März 2006

Indoor-Allergene: Katze vor Staubmilbe

Es gibt Allergene, die immer da sind.Nicht saisonal begrenzte Allergien gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren des Asthma bronchiale.

Bis vor wenigen Jahren wurde angenommen, dass Allergene aus Staubmilben die am weitesten verbreiteten Auslöser nicht saisonal begrenzter, das heißt ganzjähriger Allergien sind. Neue Daten zeigen jedoch , dass Sensibilisierungen gegen Katzen- und Hundeepithelien weitaus häufiger auftreten. Im Gegensatz zu verschiedensten Pollenallergenen, deren Auftreten auf einige Wochen bis maximal Monate im Jahr beschränkt ist, treten bei perennialen, also ganzjährigen Allergien sowohl die Allergenexposition als auch die Symptomatik dauerhaft auf. Die Verursacher sind vielfältig. Neben Klassikern wie Staubmilben und Haustieren muss bei ganzjährig bestehender Allergiesymptomatik auch an Schimmelpilze oder Zierpflanzen wie den Gummibaum (Ficus benjamini) gedacht werden. Die Elimination der Allergenquelle ist beim Ficus noch einfach übers Herz zu bringen, bei einem geliebten Haustier gestaltet sich die „Entfernung“ schon viel schwieriger. Und wenn Schimmelpilze hinter der Symptomatik stehen, können aufwändige Sanierungsarbeiten oder mitunter ein Wechsel der Wohnstätte erforderlich werden.

Steigende Sensibilisierungsraten bei Jugendlichen

Eine Studie (Raukas-Kivioja et al., Clin Exp Allergy 2003; 33: 1342-1348) aus Estland untersuchte 516 Freiwillige zwischen 17 und 66 Jahren mit Pricktests für 15 inhalative Allergenquellen. Insgesamt 34,5 Prozent der Studienpopulation zeigten mindestens eine positive Reaktion im Hauttest. In der Altersgruppe der 17- bis 24-Jährigen lag dieser Anteil sogar bei 45,8 Prozent. Die Untersuchung unterschied zudem zwischen städtischen und ländlichen Lebensbereichen. Bei der Landbevölkerung wurde für die meisten Allergenquellen eine deutlich niedrigere Sensibilisierungsrate erhoben. Tierepithelien waren für die meisten Sensibilisierungen gegen Indoor-Allergene verantwortlich: Bei den 17- bis 24-Jährigen waren 15,3 Prozent gegen Katzen- und 11,9 Prozent gegen Hundehaare sensibilisiert. Zwischen dem Vorliegen eines positiven Pricktests gegen Tierepithelien und bekanntem Asthma bronchiale zeigte sich eine statistisch signifikante Assoziation. Vergleichbare Zusammenhänge waren auch für die allergische Rhinitis und Konjunktivitis feststellbar. Die Hauptallergene Can f 1 (Hund) und Fel d 1 (Katze) haben die Eigenschaft, an kleinsten Partikeln anzuhaften, mit denen sie über weite Strecken in der Luft verteilt werden. Es verwundert daher wenig, dass Studien Fel d 1 an Orten detektieren konnten, wo nachweislich keine Katzen hinkommen. Eine aktuelle Untersuchung aus den USA (Arbes et al.) konnte Can f 1 in allen und Fel d 1 in 99,9 Prozent von 831 untersuchten Haushalten nachweisen. Die Anwesenheit eines Haustiers steigerte die Konzentration der Allergene verständlicherweise erheblich. Dennoch konnten auch in katzen- und hundefreien Wohnungen Allergenkonzentrationen nachgewiesen werden, die mit einem erhöhten Risiko einer Sensibilisierung verbunden waren.

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