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Innere Medizin 8. März 2006

Editorial: Allergie – der Irrtum im Immunsystem

An sich will sich der Körper nur schützen: Dringt ein Fremdkörper in den menschlichen Organismus ein, wird das Immunsystem auf den Plan gerufen – bei Krankheitserregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen eine sinnvolle Reaktion. Richtet sich diese Abwehr-
reaktion aber gegen ungefährliche Stoffe, die eigentlich keine Bedrohung für den Körper darstellen, kommt es zum allergischen Geschehen. Die Auslöser sind vielfältig: Pollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze, Nahrungsmittel, Kosmetika, Medikamente, Lebensmittelzusätze, Chemikalien oder Metalle rufen verschiedenste Symptome hervor. Man könnte meinen, es gäbe keine Substanz, die nicht eine Allergie verursachen könnte. Tatsache ist: Allergien nehmen in den industrialisierten Ländern rasant zu. Rund 80 Millionen Menschen in Europa leiden daran. In Österreich hat die allergische Rhinitis mit 20-prozentiger Häufigkeit in der Gesamtbevölkerung das Ausmaß einer Pandemie erreicht.
Trotzdem ist die Allergie kein „neues“ Phänomen. Bereits vor 100 Jahren beschrieb der Kinderarzt Clemens von Pirquet die noch heute verwendete Definition. Und schon 1911 behandelten die Forscher Noon und Freeman Patienten mit Injektionen aus Gräserpollenextrakten. Doch auch heute sind die zugrunde liegenden Ursachen für die „Fehlreaktion des Körpers“ noch nicht vollständig bekannt. Eine genetische Disposition gilt als gesichert. Weitere wichtige Ursachen liegen in der zunehmenden Umweltbelastung, aber auch in einem Übermaß an Hygiene schon im Kindesalter. Auch Stress, Ernährungsfehler und Bewegungsmangel können zu dieser Entwicklung beitragen. Entscheidend ist: Allergien dürfen keineswegs bagatellisiert werden, denn 40 Prozent der nicht behandelten Allergiker erkranken an Asthma. Hoffnung machen moderne molekularbiologische Techniken, an deren Entwicklung österrei-chische Forscher richtungweisend beteiligt sind. In der Diagnostik kommen rekombinant hergestellte Allergene bereits routinemäßig zum Einsatz und auch therapeutisch gibt es vielversprechende Ansätze.

Eine informative Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Dr. Myriam Hanna-Klinger, Stv. Chefredakteurin, und das Redaktionsteam der
ÄRZTE WOCHE

Dr. Myriam-Hanna Klinger, Ärzte Woche 24/2001

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