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Innere Medizin 7. März 2006

Welt-Aidstag 2003

Der Welt-Aidstag am 1. Dezember steht dieses Jahr unter dem Motto "live and let live - Ausgrenzung macht krank". Seitdem die Immunschwächekrankheit AIDS 1981 zum ersten Mal aufgetaucht ist, wird diese Krankheit von Ablehnung und Stigmatisierung der betroffenen Menschen begleitet.

Ziel der diesjährigen Kampagne zum Welt-Aidstag ist, auf die vielfachen Benachteiligungen von Menschen mit HIV/AIDS aufmerksam zu machen und ihrer Diskriminierung und Isolierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Die weltweite Diskussion zum Welt-Aidstag beleuchtet wichtige Aspekte im Kampf gegen AIDS. In diesem wie im nächsten Jahr sollen die Themen Diskriminierung und Tabuisierung dazu führen, dass in unserer Gesellschaft eine Offenheit auch für das Thema HIV/AIDS erreicht wird. Denn wenn HIV oder Aids dazu führen, dass Menschen in einer Gesellschaft verachtet und diskriminiert werden, dann kann man in dieser Gesellschaft auch nicht offen über das Thema HIV/Aids und den Schutz davor sprechen. Prävention ist dann nur schwer möglich. Obwohl die HIV-Infektion gegenwärtig nicht heilbar ist, gibt es doch Mittel und Wege, um betroffenen Menschen zu einem lebenswerten Leben zu verhelfen. Weltweit müssen mehr als 42 Millionen Menschen mit dem Immunschwäche-Virus namens HIV in ihrem Körper leben. In Westeuropa leben etwa 600.000 Menschen mit HIV/AIDS. Österreich liegt mit einer Prävalenzrate von 0,24 im Mittelfeld von Westeuropa. Von den weltweit 14.000 täglichen Neuinfektionen ereignen sich ein bis zwei in Österreich. Betrachtet man die AIDS-Statistik bundesweit, so hat sich die Verteilung auf die einzelnen Bundesländer über die Jahre nicht wesentlich geändert: Nach Wien mit 48 Prozent aller AIDS-Erkrankungen in Österreich weist Oberösterreich mit 17 Prozent mit Abstand die höchste Anzahl an Erkrankten und Infizierten auf. Mit einem Frauenanteil von rund 30 Prozent liegt Oberösterreich bei der Anzahl der an AIDS erkrankten Frauen über dem Bundesdurchschnitt.

Trotz Aufklärung wieder Anstieg von Neuinfektionen

In den Jahren 1996 und 1997 wurde in Westeuropa ein Tiefstand an HIV-Neuinfektionen erreicht. Seither kann praktisch in allen Ländern von Portugal bis Österreich trotz engagierter Aufklärung und Präventionsarbeit wieder ein sanfter Anstieg der jährlichen HIV-Neuinfektionen beobachtet werden. Zusätzlich wächst die HIV-Epidemie durch einen Bevölkerungsdruck von außen. In den mittel- und osteuropäischen Ländern ist die HIV-Prävalenzrate wesentlich höher als in den am stärksten betroffenen westeuropäischen Ländern Italien, Spanien und Frankreich. Am Beispiel von St. Petersburg in Russland zeigt sich, dass die Diskriminierung von HIV-Infizierten immer noch an der Tagesordnung ist. Im Jahr 2002 gaben dort aus einer Gruppe von 470 HIV-positiven Menschen 48 Prozent an, dass sie Dokumente unterzeichnen mussten, die ihre HIV-Infektion bestätigen. Fast einem Drittel wurde der Zugang zu medizinischer Versorgung verwehrt. Zehn Prozent verloren ihren Job. Neun Prozent wurden von ihren Familien verstoßen. Die "Kehrseite": Nicht alle Menschen verzichten, nachdem sie die Diagnose "HIV-Infektion" erfahren haben, auf ungeschützten Geschlechtsverkehr oder auf Needle-Sharing. In St. Petersburg traf dies auf 50 Prozent beziehungsweise 30 Prozent der HIV-Infizierten zu.

Erfolgsgeschichte mit kleinem Schönheitsfehler

Die Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie (HAART) Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts führte zu einem dramatischen Wandel des Krankheitsbildes. Opportunistische Infektionen wie Pneumocystis carinii Pneumonie, zerebrale Toxoplasmose und Zytomegalie-Retinitis traten in den Hintergrund, während metabolische, kardiovaskuläre, neurologische, psychische und toxische Komplikationen in den Vordergrund rückten. Stark im Aufwind befinden sich auch sexually transmitted diseases und Hepatitiden. Unter einer effektiven und gut verträglichen antiretroviralen Kombinationstherapie - für jeden HIV-positiven Patienten gibt es aber nur zwei bis drei optimale Regime - können Lebenserwartung und Lebensqualität drastisch verbessert werden. Ohne Therapie überleben hingegen das 6. Erkrankungsjahr nur 75 Prozent der HIV-Infizierten, das 9. Erkrankungsjahr nur 50 Prozent und das 15. Erkrankungsjahr nur zehn Prozent. Trotz immer größerer Effektivität der antiretroviralen Therapieregime kann die Virusreplikation nicht vollständig unterbunden werden. HIV zieht sich in ruhende Memory-Lymphozyten und andere Reservoirs zurück. Um die erwünschte Immunrekonstitution aufrecht zu erhalten, ist eine lebenslange Virussuppression notwendig. Leider ist die Kombinationstherapie mit zahlreichen Problemen behaftet: erhöhte Langzeittoxizität, Resistenzentwicklung, mangelnde Therapieadhärenz und hohe Kosten.

Leberschädigung durch medikamentöse Therapie

Seit Beginn der HAART-Ära konnten zahlreiche pathogenetische Mechanismen aufgezeigt werden, wie es unter einer antiretroviralen Kombinationstherapie zum Beispiel zu einer Leberschädigung kommen kann. Nicht-Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren verursachen direkt oder immunologisch eine Leberzellschädigung, während Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren eine mitochondriale Toxizität hervorrufen und auf diese Weise eine Laktatazidose, eine Hepatosteatose, Muskel- und Knochenschädigung auslösen können. Proteasehemmer wiederum stören den Glukose- und Lipidstoffwechsel und beeinträchtigen auf diese Weise wichtige Leberfunktionen. Ein akuter Schub von einer Virushepatitis kann sich im Rahmen einer HAART-mediierten, raschen Immunrekonstitution mit Bildung von proinflammatorischen Zytokinen entwickeln. Um den Behandlungserfolg der HAART so nachhaltig wie möglich zu gestalten, kümmert sich jetzt auch in Österreich eine "Adherence Nurse" um individuelle Patientenschulung und Problemlösungen, wie zum Beispiel in der Immunambulanz des Wiener Otto Wagner Spitals. HIVmobil bietet in Wien unter der Hotline 0699-19445333 weiterhin medizinische Hauskrankenpflege für PatientInnen mit HIV/AIDS an. Und der Life Ball unterstützt weiterhin mit voller Kraft und ganzem Engagement förderungswürdige Projekte in Sachen HIV/AIDS.

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