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Innere Medizin 7. März 2006

Frauen reagieren auf HIV-Therapie anders

HIV-Medikamente scheinen bei Frauen und Männern zwar ähnlich wirksam zu sein, aber sie verursachen bei Frauen deutlich mehr Nebenwirkungen.

Weltweit sind fast genauso viele Frauen wie Männer HIV-positiv, in Österreich ist mittlerweile mehr als ein Drittel der Infizierten weiblich. Bislang würden Unterschiede in der Therapie bei Frauen mit HIV häufig nur auf den Aspekt Schwangerschaft reduziert, dabei gebe es noch andere wichtige Unterschiede, die berücksichtigt werden müssten, sagte Dr. Annette Haberl von der AIDS-Ambulanz der Universitätsklinik Frankfurt am Main beim deutsch-österreichischen Aids-Kongress im Juni in Wien.

Progression verläuft gleich

Das Fortschreiten der Infektion verlaufe bei Frauen und Männern nicht unterschiedlich, auch wenn Frauen im Vergleich zu Männern in den ersten Jahren der Infektion eine höhere CD4-Zellzahl und weniger Viren im Blut haben. Frauen sprechen Haberl zufolge auf eine antiretrovirale Therapie virologisch, immunologisch und klinisch weder besser noch schlechter an als Männer. Dies habe die Auswertung einer italienischen Studie ergeben, die mit 700 Frauen von insgesamt 2.000 HIV-Patienten einen relativ hohen Frauenanteil hat.

Vermehrt Nebenwirkungen

Allerdings: Die Rate unerwünschter Wirkungen sei bei Frauen deutlich höher als bei Männern, hob Haberl hervor. Der Grund sei wahrscheinlich eine unterschiedliche Pharmakokinetik der Medikamente bei Frauen, allerdings würden Langzeitstudien zu geschlechtsspezifischen pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Wirkungen der HIV-Medikamente noch fehlen. Bisherige Daten haben ergeben, dass die Toxizitäten hervorrufenden Plasma-Spitzenspiegel etwa von Proteasehemmern bei Frauen durchschnittlich höher sind als bei Männern. Das schlägt sich im klinischen Alltag nieder: Frauen brechen eine HIV-Therapie 1,4-fach häufiger wegen Nebenwirkungen ab als Männer. Proteasehemmer verursachen bei Frauen häufiger gastrointestinale Symptome und allergische Reaktionen. Die mitochondriale Toxizität der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer ist trotz gewichtsadaptierter Dosis bei Frauen stärker ausgeprägt, die Rate der Neuropathien, Überempfindlichkeitsreaktionen und Pankreatiden deutlich höher als bei Männern. Besonders schwierig in der Behandlung von HIV-positiven Frauen im gebärfähigen Alter sei zurzeit die Applikation nicht-nukleosidischer Hemmstoffe (NNRTI), so Haberl. Der einfach einzunehmende Hemmer Nevirapin ist eigentlich gut verträglich und wirkt auf Embryonen nicht toxisch. Doch aktuelle Daten belegten für Frauen ein dreifach höheres Risiko für eine Hepatotoxizität im Vergleich zu Männern. Für Frauen mit einer CD4-Zellzahl über 250 pro Mikroliter ist das Risiko für eine Hepatotoxizität im Vergleich zu Frauen mit weniger als 250 CD4-Zellen sogar zwölf Mal höher. Der zweite verfügbare NNRTI-Hemmer Efavirenz wirke dagegen im ersten Drittel der Schwangerschaft teratogen. Patientinnen sollten daher mindestens zwei Verhütungsmethoden anwenden.

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