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Innere Medizin 7. März 2006

Gastric Banding - eine erfolgreiche Bilanz

Anlässlich der zweiten Jahrestagung der Österreichischen Adipositas Gesellschaft berichteten Experten über ihre Erfahrungen mit dem Gastric Banding: In Europa wurden in den vergangenen sechs Jahren ungefähr 30.000 Magenband-Operationen durchgeführt. 

Viele morbid adipöse Patienten haben schon zahlreiche Diäten ausprobiert und sind wiederholt am "Jo-Jo-Effekt" gescheitert. Durch eine mechanische Einschränkung der Nahrungsaufnahme mit Hilfe des Gastric Banding wird der erwünschte Gewichtsverlust erzwungen. Dies geschieht manchmal nicht ohne Probleme und einige Patienten halten trotz gelungener Operation ihr Übergewicht.

Operationstechnik und mögliche Komplikationen

Über einen laparoskopischen Zugang wird nach entsprechender Präparation ein Magenband um die Kardia gelegt und fixiert. Das Ausmaß der künstlichen Magenengstelle kann postoperativ über einen subkutanen Port durch Veränderung der im Band befindlichen Flüssigkeitsmenge reguliert werden. Bei manchen Modellen kann die Enge über einen kleinen Motor von außen - ganz ohne Nadel und Infektionsrisiko - gesteuert werden. 

Bei beiden Systemen wird die Nahrungsaufnahme nach Bedarf eingeschränkt. Das Essen von großen Mengen ist plötzlich nicht mehr möglich. Eine massive Gewichtsreduktion erscheint die logische Konsequenz. Prof. Dr. Franz Aigner, Abteilung für Allgemeinchirurgie, Universitätsklinik Innsbruck, berichtete über die Langzeitergebnisse mit Gastric Banding. Vorteil heute: Der Eingriff dauert durchschnittlich nur mehr 80 Minuten, der Spitalsaufenthalt durchschnittlich fünf Tage.

In der Liste der möglichen Komplikationen finden sich Patchdillatationen, undichte Bänder, Bandmigrationen, Magenperforationen und Portdisskonnektionen. Seltener treten Infektionen von Port oder Band, Wundprobleme, Pneumothorax oder Zwerchfellläsionen auf. 

Neben diesen speziellen Komplikationen darf das insgesamt erhöhte Operationsrisiko bei morbid-adipösen Patienten nicht vergessen werden. So finden sich gelegentlich postoperative Pneumonien oder Pulmonalembolien. Lediglich bei 16 von 429 Patienten musste das Band wieder entfernt werden, betonte Aigner.

Der Erfolg der Operation zeigt sich in einem deutlichen Gewichtsverlust der Patienten. Aigner konnte eine BMI-Reduktion um durchschnittlich 35 Prozent innerhalb von zwei Jahren belegen. Wird das Band entfernt, kommt es zu einer neuerlichen Gewichtszunahme. 

Neben den vielen positiven gesundheitlichen Effekten durch das verminderte Körpergewicht imponieren auch Verbesserungen der Lebensqualität der Patienten. Prof. Dr. Helmut Weiss, Abteilung für allgemeine Chirurgie, Universitätsklinik Innsbruck, konnte die positive Beeinflussung von Sodbrennen und Dyspepsien nachweisen. An 43 Patienten wurde prä- und postoperativ eine Ösophagusmanometrie und eine 24 Stunden pH-Metrie durchgeführt. Vor der Operation zeigte sich bei 23 Prozent der Patienten eine Ösophagitis, postoperativ nur mehr bei 2 Prozent. Diese Verbesserungen könnten direkt auf die mechanische Veränderung am Magen zurückzuführen sein. 

Dr. Ursula Hanusch-Enserer, 5. Med. Abteilung, Wilheminenspital, Wien, berichtete über die physiologischen Auswirkungen dieser Magenoperation. Durch die massive Gewichtsreduktion kommt es zu einer messbaren Verbesserung der endothelialen Dysfunktion. Ob dies auch zu einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos führt, ist noch nicht geklärt. Weiters nimmt die Insulinsensitivität zu, der Glucosestoffwechsel insgesamt verbessert sich. 
Die Patienten berichten über eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität in Bezug auf Befindlichkeit, körperliche Aktivität, Gesellschaftsleben und Arbeitsbedingungen. 

Auch negative Seiten

Die negativen Erfahrungen betreffen die eingeschränkte Nahrungsverträglichkeit. Viele Patienten können wegen wiederholter Übelkeit und Völlegefühle mit gelegentlichem Erbrechen nicht mehr alle Nahrungsmittel essen. 
Die häufigsten Probleme entstehen durch faserreiche Speisen, Trinken während des Essens, bei seltenen großen Mahlzeiten oder wenn die Speisen zu wenig gekaut werden.  

Manche Patienten können ihre Esssucht trotzdem nicht besiegen: Sie greifen zu hochkalorischen, flüssigen Lebensmitteln.
Adipöse und übergewichtige Personen leiden in gleicher Weise unter ihrer Beeinträchtigung, so Prof. Dr. Elisabeth Ardelt-Gattinger, Institut für Psychologie, Salzburg. Diese Stigmatisierung ist für das geringe Selbstvertrauen mitverantwortlich. Viele Menschen erleben sich als behindert und haben das Gefühl, an dieser Situation selbst schuld zu sein. 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Normalgewichtigen und Übergewichtigen oder Adipösen liegt im Suchtverhalten, erklärt Prof. Ardelt-Gattinger. Diese "Esssucht", wie die Expertin sagt, kann durch spezifische Verhaltensmuster nachgewiesen werden. So können ein starker Wunsch nach Nahrung, fehlende Kontrolle, Entzugssymptomatik und Vernachlässigung anderer Interessen beobachtet werden. Diese Punkte gelten als Indiz für Drang und Abhängigkeit. Personen mit einem BMI über 35kg/m2 unterscheiden sich in diesem Punkt nicht von Alkoholkranken oder Rauchern, stellt die Expertin klar. 

Nach Gastric Banding beobachtete Ardelt-Gattinger unerwartete Veränderungen. Es zeigt sich nicht nur eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und des Selbstwertgefühls der Patienten, es kann auch eine Abnahme der Suchtfaktoren mit zunehmendem Gewichtsverlust gemessen werden. Hinsichtlich der Stigmatisierung kann leider keine Veränderung beobachtet werden. 
Bei Betrachtung jener Patienten, die trotz Operation nur wenig Gewicht verlieren, lässt sich ein besonders hohes Suchtpotenzial nachweisen. 

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