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Innere Medizin 28. Februar 2006

Durch Impfmüdigkeit mehr FSME-Fälle

Vor 30 Jahren ist der erste FSME-Impfstoff entwickelt worden. Nach fulminanten Erfolgen der Zecken-Impfung zeichnete sich 2005 allerdings wieder ein Anstieg der Erkrankungen ab. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Zeckenopfer verdoppelt. Experten richten deshalb einen dringenden Appell an Ärzte und Bevölkerung, den Schutz vor einer Infektion nicht zu vernachlässigen...

Veränderte Lebensgewohnheiten, eine „impfmüde“ ältere Generation sowie die Vernachlässigung der Auffrischungsimpfung sind wesentliche Faktoren der eher trau-rigen Opferbilanz 2005 (siehe Grafik). Die Warnung der Bevölkerung und damit Fortführung der Impf-Kampagne sind daher wichtiger denn je. Die FSME-Fälle haben sich im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. „Es ereigneten sich auch drei Todesfälle“, stellte Sozialmediziner Prof. Dr. Michael Kunze anlässlich der Präsentation neuester epidemiologischer Zahlen zur „Zeckenkrankheit“ fest. Nur durch intensive Weiterführung der bisher so erfolgreichen Maßnahmen sei es möglich, die Zahl der Erkrankungen in den kommenden Jahren wieder zu senken. Mittel zum Zweck seien intensive Aufklärung über die Krankheit und eine flächendeckende Impf-Kampagne. Kunze: „Im Gegensatz zu anderen Impfungen, zum Beispiel gegen Influenza, gibt es durch die FSME-Impfung keinen Schutz für einen weiten Personenkreis, sondern nur eine ganz individuelle Schutzmöglichkeit“. Durch intensive Aufklärung und Impf-Kampagnen konnte die Erkrankungsrate von 677 Fällen im Jahre 1979 auf 54 im Jahr 2004 reduziert werden. Dass damit die Zeckengefahr aber noch lange nicht gebannt ist, zeigt die FSME-Statistik des letzten Jahres: 100 Fälle, davon drei Todesopfer, sind das besorgniserregende Ergebnis. „Das zeigt, dass nach wie vor massiver Handlungsbedarf gegeben ist“, so Kunze. „Die Impfkampagne muss daher weiterhin fortgeführt werden, das ist enorm wichtig“, stellte der Virologe und „Erfinder“ der FSME-Impfung, Prof. Dr. Christian Kunz, fest.

Geringe Durchimpfungsrate

Die derzeitige Durchimpfungsrate von 88 Prozent könnte leicht über die wirklichen Verhältnisse hinwegtäuschen. Dies belegen Zahlen, die heuer erstmals vom GfK-Institut über die „theoretische Schutzrate“ erhoben wurden. Diese liegt nämlich um einiges tiefer, nämlich bei 66 Prozent. Diese Zahl entspricht all jenen, die das Impfschema gewissenhaft durchgehalten haben. Alle anderen haben sich zwar irgendwann einmal der Vakzination unterzogen, dann aber auf eine regelmäßige Auffrischung vergessen oder die Sicherheitsintervalle nicht eingehalten. Im Jahr 1999 war übrigens ein absoluter Tiefstand der Erkrankung mit 41 Fällen erreicht.

Auffrischung vernachlässigt

Der 2004 eingeführte Impfplan sieht vor, dass bis zum 60. Lebensjahr alle fünf Jahre, danach alle drei Jahre eine Auffrischung erfolgen soll. „Das ist in den Köpfen der Bevölkerung noch nicht ausreichend verankert und mit einer der Gründe der Impfmüdigkeit“, meint Kunz. Außerdem werde auch das Intervall von fünf Jahren nicht immer eingehalten, oft werden sechs oder sieben Jahre daraus. „Um sicher geschützt zu sein, dürfen die Impfintervalle keinesfalls ausgedehnt werden“, betont der Virologe. Das vergangene Jahr weist 61 Prozent aller FSME-Fälle in der impfmüden älteren Generation „50 plus“ aus. Gerade unter der „jung gebliebenen“ 50-plus-Generation wird die Gefahr, die von der FSME ausgeht, verharmlost. Dabei ist gerade diese Personengruppe am meisten gefährdet, da der Impfschutz mit zunehmendem Alter auf Grund des ebenfalls alternden und daher schwächer werdenden Immunsystems abnimmt. Außerdem hat sich die Freizeitgestaltung dieser Bevölkerungsgruppe in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Wandern, Radfahren, Nordic Walking und viele Aktivitäten im Freien, nicht zuletzt die lockere luftige Kleidung machen es den Zecken leichter, ihre Opfer zu finden.

Auch Kinder sind betroffen

Die FSME trifft – entgegen einer weit verbreiteten Meinung – auch Kinder. Von den zahlreichen Erkrankungsfällen 2005 wurden vier bei Kindern zwischen 0 und sechs Jahren registriert. Drei Kinder von sieben bis 14 Jahren sind ebenfalls Zecken-Opfer geworden. Der letzte derartige Fall betraf sogar ein Baby von nur zwei Monaten, das an Enzephalitis erkrankte. Daher empfehlen die Experten: Auch Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr sollten bereits geimpft werden. In Risikogebieten wie etwa der Steiermark könne das schon ab dem sechsten Lebensmonat erfolgen.

 Tabelle Anzahl der FSME-Erkrankungen nach Altersgruppen (Gesamtzahl 100).

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