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Innere Medizin 21. Februar 2006

Welche Tipps Krebskranke für die Infekt-Prävention brauchen

Bei Fragen zur Infektionsprophylaxe wenden sich Krebspatienten nach der Krankenhausentlassung auch an ihre Hausärzte. Bei der Aufklärung darf dann der Hinweis nicht fehlen, dass bei den geringsten Anzeichen einer Infektion nicht auf Hausmittel gesetzt, sondern sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Wenn bei Krebspatienten die Zahl der neutrophilen Granulozyten unter 500 pro µl Blut sinkt, ist Gefahr im Verzug. Denn dann können sonst harmlose Krankheits­erreger eine mitunter tödliche Infektion verursachen, was durch das richtige Verhalten im Alltag jedoch vermieden werden kann. Viele Fragen der Patienten drehen sich hier zum Beispiel um die richtige Ernährung. Dazu sagt Prof. Dr. Georg Masch­meyer, Hämatologe und Onkologe an der Medizinischen Klinik in Potsdam: „Der Nutzen einer bestimmten Diät für diese Patienten ist nicht gesichert. Doch was man ihnen sicher ans Herz legen sollte: Vorsicht bei ‚besonders gesunden‘ Lebensmitteln.“ Unbehandeltes Getreide sei etwa schnell mit Schimmelpilzen besiedelt, in Milchprodukten aus unpasteurisierter Milch seien häufig Listerien nachweisbar, sagte Maschmeyer beim Fortbildungsseminar der Bundesärztekammer in Berlin. Als weitere Verhaltensregel nannte Maschmeyer, Kontakt zu vermeiden mit Personen mit einem offensichtlichen grippalen Infekt oder anderen übertragbaren Erkrankungen wie Zoster oder Pfeiffersches Drüsenfieber. Sex mit einem gesunden Lebenspartner hingegen berge keine Gefahren. Wer gern im Garten arbeitet, sollte dabei seine Hände vor Verletzungen etwa durch Rosendornen schützen und sich von der Biotonne fernhalten. „Das Umsetzen des Kompostes kann Kopf und Kragen kosten“, so Maschmeyer.

Keine Hausmittelchen

Wer trotz der Infektanfälligkeit Urlaub machen will, sollte in Reichweite bleiben, „und nicht einen Namibia-Urlaub nachholen.“ Allerdings bestehe in Ausnahmefällen die Möglichkeit, Patienten vor geplanter Reise nach Rücksprache mit dem behandelnden Hämatologen mit einem Antibiotikum zu versorgen, wenn klar ist, dass ein Rücktransport zwei Tage dauern würde. Ganz besonders betonte der Mediziner die Aufklärung der Patienten über das richtige Verhalten bei ersten Infektionszeichen: „Hier muss den Patienten klar gemacht werden, dass sie nicht versuchen, mit Hausmitteln oder Wadenwickeln die Sache zu lindern oder einfach durchzuhalten, um dadurch die Wiedereinweisung ins Krankenhaus zu vermeiden. Denn solch eine Infektion kann dann ganz schnell kritisch werden.“ Ob und wann sich Tumorpatienten impfen lassen sollten, dazu hat die Ständige Impfkommission in Deutschland im Herbst des vergangenen Jahres eine Empfehlung abgegeben (siehe Kasten). Plädiert wird für einen umfassenden Impfschutz, zumal vor allem Masern und Varizellen für Krebskranke lebensgefährlich werden können. Der österreichische Impfplan 2006 nimmt zur Immunisierung von Tumorpatienten nicht ausdrücklich Stellung. Der Impfausschuss wird sich jedoch laut Aussagen der ersten stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Dr. Heidemarie Holzmann „in seiner nächsten Sitzung sicher damit befassen“.

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