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Innere Medizin 21. Februar 2006

Hypertonietherapie bei Typ-2-Diabetes

Hypertonie und Typ-2-Diabetes bestehen oft gleichzeitig. Bei diesen Patienten ist eine optimale Blutdruckeinstellung von besonderer Bedeutung. Unter den Antihypertensiva beeinflussen AT1-Rezeptorblocker wie Candesartan (Blopress®), zusätzlich zur blutdrucksenkenden Wirkung, auch den Glukosestoffwechsel günstig. Neue Daten zeigen, dass Candesartan Diabetes sogar verhindern kann.

Die Hypertonie ist ein bedeutender Risikofaktor für kardiovaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall und die damit verbundene Sterblichkeit. Besonders gefährdet sind diese Patienten jedoch, wenn gleichzeitig ein Typ-2-Diabetes besteht. Ursache für das häufig gleichzeitige Auftreten der beiden Erkrankungen ist die Insulinresistenz. Seit längerem ist bekannt, dass sich Antihypertensiva in ihrer Wirkung auf Insulinsensitivität und Glukosestoffwechsel unterscheiden. Während ältere Substanzen wie Thiaziddiuretika oder beta-Blocker den Glukosestoffwechsel negativ beeinflussen, können AT1-Rezeptorblocker wie Cande­sartan, zusätzlich zur Blutdrucksenkung, die Insulinsensitivität verbessern und dadurch positiv auf den Glukosestoffwechsel wirken.

Candesartan verbessert Insulinsensitivität

Erstmals konnte der positive Einfluss von Candesartan auf die Insulinsensitivität in der CROSS-Studie1 gezeigt werden. In dieser Untersuchung wurden adipöse Hypertoniker entweder mit Can­desartan (8 bis 16mg) oder Hydrochlorothiazid (HCTZ 25 bis 50 mg) drei Monate lang behandelt. Bei vergleichbarer Blutdrucksenkung führte Candesartan zu einer signifikanten Verbesserung der Insulinsensitivität, während sie sich unter HCTZ sogar verschlechterte.

Seltener Diabetes-Neuerkrankungen

Dass die günstige Wirkung von Candesartan auf den Glukosestoffwechsel auch klinisch relevant ist, wurde durch die ALPINE-Studie2 bestätigt. In dieser Untersuchung wurden 392 Patienten entweder mit Candesartan 16 mg (bei Bedarf Felodipin als ­Add-on) oder HCTZ 25 mg (bei Bedarf Atenolol als Add-on) über 12 Monate behandelt. Während innerhalb dieses kurzen Zeitraumes acht mit dem Diuretikum behandelte Patienten an Diabetes erkrankten, trat in der Candesartan-Gruppe nur bei einem einzigen Patienten eine Diabetes-Neuerkrankung auf (p=0.03). In den placebokontrollierten CHARM-Studien wurde gezeigt, dass Candesartan die Mortalität und Morbidität bei Patienten mit Herzinsuffizienz signifikant reduziert. Da Patienten mit Herzinsuffizienz ebenfalls ein hohes Diabetesrisiko aufweisen, war die Frage nach diabetespräventiven Effekten von Candesartan ein zusätzlicher Studienendpunkt.

Diabetesprävention auch bei Herzinsuffizienz

Im CHARM-Preserved-Studienarm (Patienten mit linksventrikulärer Auswurffraktion über 40 Prozent, d.h. bei weitgehend erhaltener Pumpleistung des Herzens) wurde mit Candesartan eine Reduktion des Neuauftretens von Diabetes um signifikante 40 Prozent gezeigt (p=0.005) (s. Abbildung). In der gesamten Studienpopulation (d.h. einschließlich der schweren Fälle von Herzinsuffizienz) lag die Reduktion bei 22 Prozent und erreichte ebenfalls statistische Signifikanz (p=0.02)3. Bei Patienten mit Hypertonie und Diabetes weisen AT1-Blocker besondere Vorteile auf. Sie gewährleisten eine effektive Blutdrucksenkung, reduzieren Organschäden (z.B. Niere) und können den Glukosestoffwechsel günstig beeinflussen. Früh eingesetzt, können sie Diabetes sogar verhindern. AT1-Blocker werden daher sowohl in Österreich als auch international (WHO, Europäische Gesellschaft für Hypertonie und Kardiologie) als bevorzugte Blutdrucksenker bei Patienten mit Diabetes empfohlen.

 detail

1) Grassi G et al. CROSS Study. Comparative effects of candesartan and hydrochlorothiazide on blood pressure, insulin sensitivity, and sympathetic drive in obese hyperten­sive individuals: results of the CROSS study. J Hypertens 2003;21:1761-9

2) Lindholm LH et al.
Metabolic outcome during 1 year in newly detected hypertensives: results of the Antihypertensive Treatment and Lipid Profile in a North of Sweden Efficacy Evaluation (ALPINE study. J Hypertens 2003;21:1563-74)

3) Yusuf S et al.
Candesartan in Heart Failure-Assessment of Reduction in Mortality and Morbidity Program Investigators. Effects of candesartan on the development of a new diagnosis of diabetes mellitus in patients with heart failure. Circulation 2005;112:48-53

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