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Innere Medizin 21. Februar 2006

Aufbau eines Diabetesregisters wird konkret

Der Diabetesplan soll dazu beitragen, Lücken in der Erfassung und Versorgung von Diabetespatienten zu verringern. Ab Mitte 2006 wird eine große Präventionsstudie prüfen, welche Lebensstil-Interventionen bei Risikopatienten Sinn machen.

Zuverlässige Zahlen über die Verbreitung des Typ-2-Diabetes in Österreich gibt es nicht, weil in der Alpenrepublik kein Diabetesregister geführt wird. Auch eine gesamtösterreichisch evaluierbare Betreuung wird derzeit nicht durchgeführt. Diese Mankos sollen sukzessive behoben werden.

EU forciert Pilotprojekt für zentrale Diabetesdatenbank

„Von der EU wurde der Aufbau einer zentralen Diabetesdatenbank konzipiert. Der Startschuss für dieses Pilotprojekt fiel vergangenen Sommer in Italien, Österreich, Rumänien und Tschechien“, erläuterte Prof. Dr. Robert Schlögl vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen anlässlich des von Novo Nordisk veranstalteten „Diabetes Dialogs“ Ende Jänner in Wien. Mit den Ergebnissen dieses Projekts könnte schließlich das geplante Diabetesregister zustande kommen. Über die Vorsorgeuntersuchung Neu sollen zukünftig vor allem Patienten mit Adipositas und/oder Metabolischem Syndrom identifiziert und strukturiert betreut werden. „Wir wissen, dass effi-ziente Diabetesprävention funk-tioniert“, sagte der Diabetologe Prof. Dr. Michael Roden in seinem Statement beim „Diabetes Dialog“. Das ist der Grund für das euro-paweit durchgeführte Projekt, das die Prävalenz für Typ-2-Diabetes und des vaskulären Risikos in Eu-ropa erheben und die Wertigkeit von Lebensstil-Interventionen überprüfen soll. Österreich ist mit zwei Zentren im DE-Plan („Diabetes in Europe – Prevention using Lifestyle, Physical Activity and Nutritional Intervention-Plan“) vertreten. Basis der Erhebung ist der FINnish Diabetes Risk Score (siehe Abbildung). „Wir werden etwa in Niederösterreich 20.000 Personen zwischen 40 und 74 Jahren anschreiben und ersuchen, diesen Risk Score auszufüllen“, erläuterte Roden. „Alle, die einen Risikoscore von 15 oder mehr aufweisen, werden danach zum oralen Glukose-Toleranztest eingeladen.“

Klares Betreuungskonzept

Aus dieser Erhebung kommende Patienten, die bereits an Diabetes erkrankt sind, sollen einheitlich behandelt werden. Wer der Hochrisikogruppe ohne manifeste Erkrankung zuzuordnen ist, soll intensiv lebensstilverändernde Maßnahmen umsetzen. Zu den Hauptzielen des DE-Plans zählen die Bestimmung der Prävalenz in der befragten Bevölkerungsgruppe ebenso wie die Prävalenz der Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes, die Bestimmung der Beziehung zwischen Risiko und Mortalität sowie die Implementierung dieser Risiko-Erkennungsstrategien in Europa. „In weiterer Folge wollen wir ein Lebensstil-Interventionsprogramm implementieren und evaluieren“, so Roden. Die Lifestyle-Interventionen, denen die Hochrisikopatienten im DE-Plan unterzogen werden sollen, sind an jene der Finnischen Diabetesstudie angelehnt und ziemlich ambitioniert. Angestrebt wird eine Gewichtsreduktion bis zu einem BMI unter 25, die gesamte Fettaufnahme in der Nahrung soll nur noch 30 Prozent betragen, nur noch zehn Prozent davon gesättigte Fette. Außerdem wird Bewegung im Ausmaß von wenigstens vier Stunden pro Woche angestrebt. Roden ist davon überzeugt, dass intensive Lebensstilmodifikationen viel bringen können: „Noch nicht publizierte Daten von Tuomiletho zeigen, dass auch eine zeitlich begrenzte Intervention viele Jahre danach Auswirkungen auf die Rate an Diabetes-Neuerkrankungen hat.“

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Sabine Fisch, Ärzte Woche 14/2001

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