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Innere Medizin 21. Februar 2006

Hypos erschweren Blutzuckerkontrolle

Nahezu ein Drittel der Studienpopulation in der EURODIAB-Studie erleidet mindestens einmal pro Jahr eine schwere Hypoglykämie. Bei langer Erkrankungsdauer, diabetischer Nephropathie und niedrigem HbA1c-Wert steigt das Risiko.

Im Vergleich mit der Gesamtpo-pulation der EURODIAB-Studie schnitten die österreichischen Teilnehmer sehr gut ab, sowohl was die Hypoglykämierate als auch die HbA1c-Einstellung und diabetische Spätschäden betrifft. „Anlässlich einer Nachuntersuchung der Patienten nach sieben Jahren konnten wir feststellen, dass sich die Hypoglykämierate gegenüber der Baseline nur geringfügig verändert hatte“, hielt OA Dr. Heidemarie Abrahamian, 3. Med. Abt. mit Stoffwechselerkrankungen und Nephrologie am Krankenhaus Hietzing, eingangs ihres Vortrags bei der Jahrestagung der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft fest. Sie präsentierte eine Zusammenfassung der Ergebnisse der europaweit durchgeführten Studie, die Anfang der 1990-er Jahre begonnen worden war. EURODIAB beobachtet die Entwicklung von Spätschäden und akuten Komplikationen, wie schweren Hypoglykämien, bei Patienten mit Typ-1-Diabetes. Insgesamt wurden 3.250 Patienten in 31 europäischen Zentren für die Studie rekrutiert. Die mittlere Diabetesdauer betrug 14,7 plus/minus 9 Jahre. Aus Österreich nehmen 122 Diabetespatienten aus dem Lainzer (jetzt Hietzinger) Diabeteszentrum an der Studie teil, die im Durchschnitt 34,9 plus/minus 9,9 Jahre alt waren. Die mittlere Diabetesdauer dieser Patienten betrug 16 plus/minus 10 Jahre.

Hohe Hypoglykämieraten

Die Teilnehmer wurden vor Studienbeginn einer Basisuntersuchung unterzogen, bei der festgestellt wurde, unter welchen Akut- und Spätkomplikationen die Erkrankten litten. Nach sieben Jahren folgte eine Follow-Up-Untersuchung unter Verwendung des Protokolls, das auch zur Basisuntersuchung herangezogen worden war. 58 Prozent der Ursprungskohorte konnten bei dieser Nachuntersuchung erfasst werden. „Dabei stellte sich heraus, dass sich die Hypoglykämierate nur von 32 auf 30 Prozent verringert hatte (p=0,133)“, erläuterte Abrahamian. „Die Hypoglykämierate war sowohl bei der Basis- als auch bei der Follow-Up-Untersuchung eindeutig mit tiefen HbA1c-Werten assoziiert“, so Abrahamian weiter (p=0,001/0,05). Je älter die Patienten waren und je länger die Erkrankung bestanden hatte, desto höher lag auch die Hypoglykämierate. Auch Patienten mit fortgeschrittenen mikrovaskulären Komplikationen zeigten ein erhöhtes Risiko für schwere Hypoglykämien.

Niedrigste Nephropathierate

Die österreichische Studienpopulation zeigte im Vergleich mit der Gesamtpopulation ausgezeichnete Ergebnisse: So war die Rate an diabetischen Nephropathien mit 25 Prozent die niedrigste aller beteiligten Zentren (Range 25 bis 60%). Der HbA1c-Wert lag in der EURODIAB-Studie zwischen 5,7 und 9,4 Prozent, in der österreichischen Gruppe betrug der durchschnittliche Wert 6,0 Prozent. „Damit teilte sich das österreichische Zentrum den zweiten Platz mit zwei anderen Zentren“, resümierte Abrahamian. Auch die Hypoglykämierate lag in Österreich im unteren Bereich. Bezüglich der Spätkomplikationsrate zeigte sich, dass 15 bis 33 Prozent der EURO-DIAB-Patienten eine beginnende Nierenerkrankung, charakterisiert durch eine Mikroalbuminurie, aufwiesen. In der österreichischen Gruppe waren es 23 Prozent. Ein starker Zusammenhang bestand zwischen einem erhöhten Blutdruck und dem Auftreten von Nierenerkrankungen und Retinopathien in der EURODIAB-Studie. „Dies zeigt uns die Wichtigkeit von Präventivmaßnahmen gegen Spätkomplikationen in der Behandlung des Typ-1-Diabetes auf“, so Abrahamian. Insgesamt beurteilt die Diabetologin die bisher vorliegenden Ergebnisse der Studie als Auftrag, bessere Therapieoptionen für Typ-1-Diabetiker zu erforschen.

Klare Aufgabenstellung

„Die schweren Hypoglykämien sind nach wie vor ein großes Problem in der Typ-1-Population und möglicherweise limitierend für die Blutzuckereinstellung“, fasste Abrahamian zusammen. „Die nahezu unveränderte Inzidenz von schweren Akutkomplikationen über einen definierten Zeitraum zeigt die Notwendigkeit besserer Therapie-strategien, die eine normnahe Blutzuckereinstellung ohne schwere Hypo- und Hyperglykämien erlauben. Die Hoffnung liegt nun auf den Insulinanaloga in Kombination mit modernen Therapiestrategien.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 14/2001

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