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Innere Medizin 21. Februar 2006

Allianz für bundesweite Qualitätsstandards

„Die Notwendigkeit einer verbesserten flächendeckenden Betreuung von Typ-2- Diabetikern ist zweifelsfrei gegeben!“ Diese Feststellung traf die neue Präsidentin der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft (ÖGD), Prof. Dr. Monika Lechleitner, Vorstand der Abt. Innere Medizin am LKH Hochzirl, Anna-Dengl-Haus, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE.

In Ihre Amtsperiode fällt die Umsetzung des Diabetesplans in die Praxis. Welche Arbeitsschwerpunkte haben Sie sich gesetzt?
Lechleitner: Priorität hat neben der Umsetzung in die Praxis die Ak-tualisierung der Leitlinien der ÖDG. Die Empfehlungen werden insbesondere um die Themen Ernährung, Geriatrie und Nichtrauchen erweitert.

Mitte Februar wird anlässlich der österreichischen EU-Präsidentschaft eine Schwerpunktkonferenz zum Thema Diabetes mellitus stattfinden. Was konkret erwarten Sie sich davon?
Lechleitner: Geplant ist eine EU-weite Abgleichung und Anpassung der Diabetikerbetreuung. Der Fokus wird auf Typ-2-Diabetes liegen. Wir haben verschiedene Arbeitsschwerpunkte, das Nahziel ist vor allem der Erfahrungsaustausch.

Im Diabetesplan wurden im Konsens mit dem Ministerium und anderen Berufsgruppen Rahmenbedingungen für qualitätsoptimierende und evaluierende Maßnahmen erarbeitet. Ist die Finanzierung der Leistungserbringer mittlerweile gesichert?
Lechleitner: Die Typ-2-Diabetiker wurden auch bisher gut therapiert. Das Problem liegt darin, dass es verschiedene Betreuungssysteme gibt ohne einheitliche bundesweite Qualitätsstandards. Der Diabetesplan soll österreichweit ein gleich hohes Betreuungsniveau sichern. Für die Umsetzung in die Praxis sind drei Punkte besonders wichtig: ein niederschwelliger Zugang, ein schlankes Behandlungskonzept und kein bürokratisches Korsett. Primäre Anlaufstelle wird der Hausarzt sein, der dann, entsprechend der definierten vernetzten Betreuungsstruktur, intensiv mit Diabetesspezialisten und anderen Partnern im Betreuungsprozess zusammenarbeiten wird. Um den gleichen Ausbildungsstand der teilnehmenden Ärzte zu erreichen, hat die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin in Zusammenarbeit mit der ÖDG ein Modulsystem zur Diabetesfortbildung entwickelt. Dieses beinhaltet auch ein kurzes Disease-Management-Programm. Mir ist noch kein konkreter Vorschlag für die Finanzierung bekannt.

Ohne Einsicht und aktive Mitarbeit der Patienten nützt auch der beste Plan nichts. Wodurch könnte man die Motivation der Typ-2-Diabetiker erhöhen?
Lechleitner: Die Motivation von Patienten mit chronischen Krankheiten ist immer schwierig. Je besser allerdings die Fachkenntnis und je intensiver die Betreuung, desto eher steigt auch die Motivation.

Wird es eine Verordnung im Rahmen des Qualitätssicherungsgesetzes geben?
Lechleitner: Als Ärztin höre ich das Wort „Verordnung“ nur ungern – es assoziiert Zwang. Um allerdings einen bundesweit einheitlichen, hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten, müssen gewisse Vorgangsweisen definiert und eingehalten werden. International gibt es noch keine Evidenz, ob ein auf Freiwilligkeit basierendes Modell besser ist oder ein verpflichtendes. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Umsetzung funktionieren wird, wenn im Vorhinein ein breiter Konsens mit allen involvierten Berufsgruppen erzielt wird und der Brückenschlag zur vernetzten Betreuung gelingt.

Dr. Sabine Schneider, Ärzte Woche 14/2001

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