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Innere Medizin 21. Februar 2006

Editorial: Evolutionäre Angst vor dem Verhungern

Der moderne Mensch von heute muss nicht mehr um das tägliche Überleben kämpfen. Unser Erbgut des „Jägers und Sammlers“ stammt jedoch aus Zeiten, in denen bei karger Ernährung aktuellen Schätzungen zufolge täglich etwa 17 Kilometer zu Fuß zurückgelegt wurden. Im Gegensatz dazu leben wir heute in Nahrungs-Überfluss und Bewegungsarmut. Hinzu kommen zunehmend größer werdende psychosoziale Belastungen, die zu unkontrolliertem Belohnungs- und Suchtverhalten beitragen. Hand in Hand damit gehen Erkrankungen, die letztlich alle auf diese Bedingungen
unserer modernen Industriegesellschaft zurückzuführen sind. An der Spitze steht die Adipositas, hier vor allem die viszerale, die den Ausgangspunkt für weitere pathologische Entwicklungen darstellt. Das Metabo-lische Syndrom, das mit einer gestörten peripheren Insulinresistenz einhergeht, kann letztlich in einer irreversiblen Insulinresistenz und damit im Typ-2-Diabetes münden.
Nationale und internationale gesundheitspolitische Bestrebungen sind daher zunehmend bemüht, diesen Entwicklungen rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Oberste Priorität hat dabei die Prävention dieser Stoffwechselerkrankungen, wie die Experten bei der 33. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft Ende letzten Jahres betonten. Die Umsetzung eines bundesweiten Diabetesplans sowie Projekte auf EU-Ebene sollen diesem Ziel Rechnung tragen. Hierzu zählen unter anderem strukturierte Betreuungskonzepte und Ausbildungsstandards, die eine optimale Versorgung der Patienten gewährleisten sollen. Erstmals stehen auch europäische Ernährungsleitlinien zur Verfügung. Studien werden prüfen, welche Lebensstil-Interventionen Sinn machen.
Diskutiert wurde auch über die neue Definition des Metabolischen Syndroms der International Diabetes Federation.
Diesem Thema ist auch das Diplomfortbildungsprogramm im vorliegenden FOKUS DIABETES gewidmet.

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