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Innere Medizin 8. Februar 2006

Übergewicht lässt auch das Krebsrisiko ansteigen

Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, läuft nicht nur Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch das Risiko einer Tumorerkrankung steigt.

Dass Übergewicht und insbesondere Adipositas das Risiko für Diabetes oder kardiovaskuläre Erkrankungen erhöht, gilt als erwiesen und hat sich mittlerweile auch herumgesprochen. Weniger bekannt ist der Zusammenhang zwischen dem Körperfett und Krebs, obgleich bereits etliche Studien aus den USA und Skandinavien auf eine solche Korrelation aufmerksam gemacht haben. Nun wurde dieses Risiko erstmalig auch an einer großen Population aus dem deutschen Sprachraum untersucht und kürzlich im British Journal of Cancer veröffentlicht (Br J Cancer 2005 Oct 31;93(9):1062-7). Als Grundlage dienten Daten der Gesundenuntersuchung und des Krebsregisters Vorarlberg, die vom Arbeitskreis für Vorsorge und Sozialmedizin (aks) erhoben und verwaltet werden. Außerdem wurden die Mortalitätszahlen der Statistik Austria herangezogen. Der Zeitraum der erfassten Daten erstreckte sich von 1985 bis 2001. Insgesamt waren mehr als 145.000 Frauen und Männer in die Studie einbezogen.

Biologisch plausibel

„Österreich hat mit diesen Daten ein Juwel“, sagte Dr. Kilian Rapp von der Abteilung für Epidemiologie an der Universität Ulm, wo die Erhebungen ausgewertet wurden, auf der Pressekonferenz vorvergangene Woche in Wien. Denn bei der Untersuchung handelte sich um „eine kulturell und ethnisch homogene Population, es wurden Körpergewicht und Größe gemessen und die aufgetretenen Tumore wurden histologisch verifiziert“. Tatsächlich bestätigte sich über die Jahre der bereits vermutete Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs. So kommt es bei Männern mit erhöhtem Gewicht öfter zu Kolon-, Rektum- und Pankreaskarzinomen, bei Frauen steigt mit der Leibesfülle das Risiko für Endometriumkarzinom, Non-­Hodgkin-Lymphome, Nierenzellkrebs und das postmenopausale Mammakarzinom. Freilich haben die Forscher diese Ergebnisse auf ihre biologische Plausibilität abgeklopft. Und die scheint gegeben zu sein, denn als eine der Krebsursachen wird der Insulin-like Growth Factor (IGF 1) diskutiert, der das Zellwachstum – auch jenes von Krebszellen – ankurbelt und dann besonders aktiv ist, wenn das Insulin über Jahre erhöht ist. Auch der Einfluss von Östrogen nach der Menopause, das unter anderem in Fettgewebe produziert wird, ist als Risikofaktor für die Tumorentstehung im Visier der Wissenschaftler. Die Daten haben auch noch andere Ergebnisse zutage gefördert. So erläuterte Prof. Dr. Hanno Ulmer von der Abteilung für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie der Med­uni Innsbruck, dass es bei den Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen deutliche Geschlechterunterschiede gebe: Bei Frauen über 60 sind erhöhte Cholesterinwerte entgegen der gängigen Meinung nur von geringer gesundheitlicher Bedeutung; im Gegenteil: Bei zu niedrigem Cholesterin ist die Gesamtmortalität erhöht. Hingegen scheint ein bislang eher vernachlässigter Leberwert bei beiden Geschlechtern einen prognostischen Marker darzustellen. Wie sich aus den Unterlagen der Gesundenuntersuchung in Vorarlberg herauslesen lässt, verdoppeln erhöhte Gamma GT-Werte bei unter 60-Jährigen das Risiko für einen tödlichen Schlaganfall oder Herzinfarkt.

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