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Innere Medizin 1. Februar 2006

Dynamik der Tuberkulose-Resistenzen in Österreich

In Österreich wurde im Zeitraum von 1998 bis 2004 bei 4.956 isolierten Mykobakterien eine Resistenzbestimmung durchgeführt.

Bei der 25. Arbeitstagung des Arbeitskreises Tuberkulose der ÖGP, die Anfang Oktober 2005 im Rahmen des ÖGP-Jahreskongresses im Wiener Messezentrum abgehalten wurde, berichtete Dr. Alexander Indra von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit in Wien über die Entwicklung der Tuberkuloseresistenzen in Österreich. Im Beobachtungszeitraum von 1998 bis 2004 wurden insgesamt 7.947 Tuberkulosefälle gemeldet, von denen laut WHO 4.956 (62,4 %) definitive Erkrankungen waren. Bei diesen 4.956 isolierten Mykobakterien wurde auch eine Resistenzbestimmung durchgeführt. 3.890 dieser Isolate zeigten bei der Testung gegen die fünf antituberkulösen Hauptmedikamente Isoniazid (INH), Rifampicin (Rif), Pyrazinamid (PZA), EMB, Streptomycin (SM) keine Resistenz. 578 der Isolate wurden nur auf INH, Rif, EMB und SM getestet und waren überall sensibel. 141 der Isolate wurden nur auf INH, Rif und EMB geprüft und zeigten gegen diese Antituberkulotika keine ­Resistenzen. 225 (4,5%) der Isolate zeigten eine einfache Resistenz, wobei der größte Teil davon entweder eine INH- (2,3%) oder eine SM-Resistenz (1,47%) aufwies. Ein Großteil der PZA-resistenten Mykobakterien könnten laut Indra Mykobak-terium bovis gewesen sein. Bei 61 isolierten Mykobakterien zeigte sich eine Resistenz gegen zwei Medikamente. Der größte Teil (46 Isolate) davon war gleichzeitig gegen INH und SM resistent. Eine Dreifach-Resistenz konnte bei 21 Isolaten, eine Vierfach-Resistenz bei 18 und eine Fünffach-Resistenz bei neun Mykobakterien-Stämmen beobachtet werden. Insgesamt konnten nach WHO-Kriterien 53 isolierte Mykobakterien als multiresistent klassifiziert werden. Im internationalen Vergleich liegt damit die Multi-DrugResistance (MDR)-Rate in Österreich im internationalen Vergleich auf sehr niedrigem Niveau. Die im Beobachtungszeitraum festgestellten geringen Resistenzraten zeigen ein funktionierendes Miteinander von Labor und Therapeuten, eine gelungene Überwachung der Therapie und ein funktionierendes Meldewesen. Damit auch in Zukunft die Resistenzraten auf einem derart niedrigen Niveau gehalten werden können, muss allerdings auch in der Zukunft diese gute Zusammenarbeit zwischen Labor, Therapeuten, Überwachung der Therapie und dem Meldewesen gewährleistet bleiben.

Dr. Wolfgang Steflitsch, Ärzte Woche 5/2006

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