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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Neue Rauchergesetze in Italien gut akzeptiert

Nahezu alle öffentlichen Plätze sind in Italien rauchfreie Zonen geworden. Innerhalb weniger Monate kam es zu einem deutlichen Rückgang beim Verkauf und Konsum von Zigaretten. Erfreulich gut werden die neuen Gesetze von der Bevölkerung aufgenommen: Über 90 Prozent begrüßen Rauchverbote in Restaurants. Österreich ist noch nicht so weit. Einzelne Projekte geben aber Anlass zur Hoffnung für die Zukunft der Raucherprävention.

Ein altbewährtes Mittel, Menschen vom Rauchen abzuhalten, ist der Preis. „Eine Erhöhung des Zigarettenpreises um ein Prozent schlägt sich in einem Konsumrückgang von 0,4 Prozent nieder, die Raucherprävalenz geht dabei um 0,3 Prozent zurück“, sagte Prof. Dr. Otto Burghuber, 1. Interne Lungenabteilung, Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe, Wien, im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie.

Drakonische Bußgelder

In Italien wagt sich der Gesetzgeber einen Schritt weiter. Seit Anfang Februar dieses Jahres ist südlich des Brenners Rauchen in allen Restaurants ohne gesonderte Raucherzone sowie an allen Arbeitsplätzen verboten. Missachtungen werden mit drakonischen Bußgeldern gegen Gast und Wirt geahndet. Dem sündigen Raucher drohen Strafen zwischen 27,50 und 375 Euro, der Gastronom muss mit dem Zehnfachen rechnen. Silviano Gallus vom Mario Negri Institut, Mailand, präsentierte erste Daten über die Auswirkungen der neuen Gesetze: „Schon nach wenigen Monaten konnten wir messbare Erfolge verzeichnen: Der Verkauf von Zigaretten ist in Italien um 8,9 Prozent zurückgegangen. Der Zigarettenkonsum hat sich gleichzeitig um 7,6 Prozent verringert.“ Gallus’ weitere Ausführungen nehmen Befürchtungen der heimischen Politik, ähnlich strenge Regeln könnten das Volk erzürnen oder die Wirtschaft stöhnen lassen, den Wind aus den Segeln: Bei einer Befragung zeigten sich 68,1 Prozent der Nichtraucher und 44,4 Prozent der Raucher mit dem Rauchverbot in Lokalen „sehr zufrieden“. Insgesamt befürworteten 90,4 Prozent der Befragten das Gesetz. Etwas weniger Zustimmung findet das Rauchverbot am Arbeitsplatz: Aber auch hier waren 86,8 Prozent der Befragten dafür. Der wirtschaftliche Schaden für die Gastronomie dürfte sich jedenfalls in Grenzen halten: Während 9,6 Prozent der Teilnehmer angaben, nunmehr weniger oft ins Cafe oder Restaurant zu gehen, fühlten sich 7,4 Prozent zu vermehrten Besuchen angezogen. Der große Anteil dazwischen dürfte demnach seine Gastronomiegewohnheiten eher von der Speisekarte als vom Rauchverbot abhängig machen.

Raucherprävention muss auf das Jugendalter fokussieren

Bei einem derzeitigen Einstiegs­alter von 12 bis 13 Jahren steht fest, dass Raucherprävention das Jugendalter fokussieren muss. Ein dreijähriges Projekt in 242 Salzburger Schulklassen hat versucht, die Nichtraucher-Kompetenz der Jugendlichen zu stärken. „Prävention bei Jugendlichen setzt andere Schwerpunkte als im Erwachsenenalter. Hier spielen Faktoren wie Mundgeruch oder Hautveränderungen durch Rauchen eine größere Rolle, als ein Bronchuskarzinom in 30 Jahren“, betont Prof. Dr. Hubert Weiglhofer vom Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, Universität Salzburg.

Ich brauch’s nicht

„Daten aus den USA haben uns gezeigt, dass es zu wenig ist, nur das Wissen über die Gefahren des Tabakkonsums zu verbreiten. Im Rahmen des Programms ‚Ich brauch’s nicht’ wurden 6.500 Salzburger Schüler nicht nur kontinuierlich begleitet und altersgerecht informiert, sondern auch mit Projekten und Aktionen aktiv einbezogen. Dazu gehörte die jährliche Wahl des ‚coolsten Nichtrauchers’ ebenso wie die regelmäßige Evaluation des Programmfortschrittes im Kontakt mit den Schülern“, berichtet der Koordinator Prof. Dr. Josef Riedler, Kinderklinik Schwarzach. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit dem Alter steigt die Anzahl der rauchenden Jugendlichen zwar stark an. In den einbezogenen Schulklassen konnte der Einstieg in den Zigarettenkonsum um 23 Prozent gegenüber dem Landesschnitt reduziert werden, bei den täglich rauchenden war die Reduktion mit knapp 30 Prozent noch stärker bemerkbar.„Die Teilnahme und Akzeptanz bei den Jugendlichen waren gut. Neben der Einstiegsprävention konnte auch ein deutlicher Wissenszuwachs verzeichnet werden“, freut sich Riedler. Die Zielgruppe für das nächste Projekt steht bereits fest: Berufsschüler. Übrigens: Rauchende Jugendliche bringen im Schnitt schlechtere Schulleistungen und sind in ihrem Freizeitverhalten passiver, als nicht rauchende Altersgenossen. Eine hohe Dichte an Zigarettenautomaten im Umfeld begünstigt den Einstieg ebenso, wie reichlich Taschengeld. Um das zu ändern, müssen noch einige Kämpfe, auf politischer und familiärer Ebene, ausgetragen werden.

Dr. Alexander Lindemeier, Ärzte Woche 30/2002

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