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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Fortschrittliche Therapien beim Bronchialkarzinom

Für die Diagnosestellung sind die Erhebung einer ausführlichen Anamnese, die physikalische Untersuchung des Patienten, bildgebende Verfahren und die histologische Sicherung der Verdachtsdiagnose von größter Bedeutung. An Behandlungsoptionen kommen in Abhängigkeit von der Histologie des Tumors Operation, Chemo- und Radiotherapie zur Anwendung.

Das Bronchialkarzinom zählt zu den häufigsten Krebstodesursachen weltweit. Prof. Dr. Sabine Zöchbauer-Müller, Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien, berichtete Anfang Oktober 2005 im Rahmen des Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie im Wiener Messezentrum über die aktuelle Diagnostik und Fortschritte in der konservativen Therapie des Bronchialkarzinoms. Rund 90 Prozent aller Bronchialkarzinome sind mit Tabakkonsum assoziiert. In den letzten Jahrzehnten konnte eine starke Zunahme der Häufigkeit von Bronchialkarzinomen bei Frauen beobachtet werden. Derzeit beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate etwa 14 Prozent.

Vieldeutige Symptome

Die Diagnose Bronchialkarzinom wird meist erst im fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung gestellt. Die Symptome können sehr vielfältig sein und reichen von Therapie refraktärem Husten, Hämoptysen, rezidivierenden pulmonalen Infekten bis zu Beschwerden, die infolge einer Fernmetastasierung auftreten können. Dazu zählen Krampfanfälle bei zerebralen Metastasen oder Schmerzen bei Knochenmetastasen. Die Diagnostik umfasst Anamnese, klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren, Histologie, Zytologie und Laboruntersuchungen.

NSE zur Therapiekontrolle

An bildgebenden Verfahren werden ein Thoraxröntgen und ein CT von Thorax, Leber und Nebennieren durchgeführt. Diese radiologischen Basisuntersuchungen werden bei kurativem Therapieansatz bzw. symptomatischen Patienten mit einer Ganzkörperknochen­szinthigraphie und einem CT des Gehirns ergänzt. Bei unklarer Beurteilung des lokalen Lymphknotenstatus wird zusätzlich eine Positronenemissionstomographie (PET) durchgeführt. Obligat ist die histologische bzw. zytologische Diagnosesicherung. Tumormaterial kann dabei im Rahmen einer Broncho-, Mediastino- und Thorakoskopie oder durch Biopsie von Fernmetastasen gewonnen werden. Bei den Tumormarkern hat lediglich die neuronspezifische Enolase (NSE) zur Beurteilung des Therapieansprechens von kleinzelligen Bronchialkarzinomen (SCLC) einen gewissen Stellenwert. Beim nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) in den Stadien I und II sowie in selektionierten Stadien IIIA zeigen randomisierte Studien einen eindeutigen Überlebensvorteil für jene Patienten, die nach der Operation eine adjuvante Chemotherapie erhalten haben. Derzeit wird laut Zöchbauer-Müller die Verabreichung von vier Zyklen einer platinhältigen adjuvanten Chemotherapie (Zweierkombination) bei NSCLC-Patienten in gutem Allgemeinzustand, bei rascher postoperativer Erholung und fehlenden wesentlichen Begleiterkrankungen empfohlen. Die Therapie von Patienten mit Stadium III-Erkrankung ist uneinheitlich. Bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem inoperablem Tumor wird eine kombinierte pla­tinhältige Chemo-/Radiotherapie empfohlen, wobei durch die konkomitante Durchführung dieser Therapien ein Überlebensvorteil bei gleichzeitig höherer Toxizität im Vergleich zur sequentiellen Verabreichung erzielt werden kann. Durch ein Induktionschemotherapie kann bei Patienten mit Stadium IIIA (N2) eine Ansprechrate bis zu etwa 60 Prozent erreicht werden. Derzeit wird die Wirksamkeit kombinierter Therapiestrategien in klinischen Studien untersucht. Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung (Stadium IIIB mit Pleuraerguss und Stadium IV) und gutem Allgemeinzustand profitieren von einer cisplatinhältigen Chemotherapie. Dabei erhalten diese Patienten vier bis sechs Zyklen einer Chemotherapie aus Cisplatin oder Carboplatin plus einem Zytostatikum der 3. Generation. In der Second- und Third-line-Therapie von NSCLC-Patienten werden neben Substanzen wie Taxanen oder Pemetrexed zunehmend auch gegen bestimmte molekulare Targets gerichtete Substanzen eingesetzt. So konnte in einer kürzlich publizierten Studie, wie Zöchbauer-Müller berichtete, ein Überlebensvorteil durch die Therapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Erlotinib bei mit Chemotherapie vorbehandelten NSCLC-Patienten im Vergleich zu Placebo kontrollierten Patienten gezeigt werden.

Operation nur im Frühstadium

Bei Patienten mit einem limitierten kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC) wird die Kombination von Chemo- und Radiotherapie empfohlen. Bei Patienten mit extensiver Erkrankung steht die Chemotherapie im Mittelpunkt. Häufig verwendete Chemotherapie-Protokolle enthalten die Kombination von Cisplatin und Etoposid oder die Kombination von Adriamycin, Cyclophosphamid und Oncovin. Eine Operation ist nur in sehr frühen Stadien der Erkrankung sinnvoll. Bei kompletter Remission ist die Durchführung einer prophylaktischen Ganzhirnbestrahlung zu empfehlen. Zu den häufig eingesetzten supportiven Therapiemaßnahmen zählen medikamentöse Schmerztherapie, Behandlung der Tumoranämie, Bisphosphonate bei ossären Sekundaria, Strahlentherapie bei ossären und zerebralen Sekundaria bzw. oberer Einflussstauung, Stentimplantation bei Obstruktion der Atemwege, parenterale Ernährung und psychologische Betreuung.

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Histologie Lungenkrebs: Links oben: Kleinzelliges Karzinom, rechts oben: Plattenepithelkarzinom, links unten: Adenokarzinom, rechts unten: Großzelliges Karzinom.

 

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