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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Multimodales Behandlungskonzept der COPD

Therapiestrategien bei der COPD sollten darauf abzielen, das Fortschreiten der strukturellen Zerstörung von Lungenparenchym zu verhindern.

Der Früherkennung einer gestörten Funktion der Lunge und rechtzeitigen Eliminierung von Risikofaktoren kommt bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) eine zentrale Rolle zu. Die chronische Phase der COPD erfordert eine konsequente medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie. Akute Exazerbationen müssen rasch und adäquat behandelt werden, da sie die Progression der Erkrankung und die Lebensqualität des Patienten ungünstig beeinflussen.

Medikamentöses Management

„Das medikamentöse Management der stabilen COPD richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung“, berichtete die Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) OA Dr. Sylvia Hartl, 1. Interne Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien, beim Jahreskongresses der ÖGP: „Daher bedarf es der Feststellung des Schweregrads der Atemflussbehinderung, der individuellen Belastbarkeit, der Häufigkeit und Schwere akuter Exazerbationen und der Lebensqualität. Augenmerk sollte auch auf Muskelkraft, Ernährung, Herz-Kreislaufsystem, Osteoporose und Psyche gelegt werden.“ Im Stadium I der COPD (FEV1 > 80 Prozent) stehen Raucherentwöhnung, Grippe-Impfung und kurzwirksame beta2-Bronchodilatatoren im Vordergrund der Behandlung, im Stadium II (FEV1 50 bis 80 Prozent) kommen lang wirksame beta2-Agonisten, Tiotropium und Rehabilitationsmaßnahmen dazu. Im Stadium III (FEV1 30 bis 50 Prozent) erhalten inhalative Kortikosteroide eine größere Bedeutung, wenn häufig Exazerbationen auftreten.

Verbesserte Lungenfunktion und Überlebensrate

Die Kombination aus lang wirksamen beta2-Agonisten und inhalativen Kortikosteroiden verbessert nicht nur die Lungenfunktion der Patienten, sondern auch die Überlebensrate. Im Stadium IV (FEV1 < 30 Prozent) finden Langzeit-Sauerstofftherapie und Volumen reduzierende Maßnahmen Anwendung. Die Qualität des Muskelstoffwechsels kann mit Hilfe des Aminosäureumsatzes beurteilt werden. Bei COPD ist der Stickstoff-Efflux signifikant erhöht, was bedeutet, dass der Muskel im Stress ist und rasche Ermüdbarkeit zeigt. In dieser Situation profitieren die Patienten von einem gezielten Ausdauertraining. Zusätzlich zeigte sich, dass bei COPD das C-reaktive Protein (CRP) erhöht ist. Deshalb besteht ein überadditives Risiko für die Entwicklung eines Myokardinfarktes. Inhalative Kortikosteroide können auf ähnliche Art und Weise wie orale Steroide erhöhtes CRP senken. Hartl: „Viele Patienten lassen mehrere Tage verstreichen, bevor sie auf ihre COPD-Exazerbation richtig reagieren. Exazerbationen erfordern einen frühen Behandlungsbeginn und eine Therapiemaximierung. Die medikamentöse Therapie der akuten Exazerbation wird grundsätzlich mit jenen Medikamenten durchgeführt, die auch in der stabilen Phase der Erkrankung Anwendung finden. Zusätzlich kommen systemische Steroide und bei Zeichen der bakteriellen Infektion Antibiotika zum Einsatz. Die stationäre Therapie der schweren Exazerbation sollte vorrangig auf Spezialabteilungen durchgeführt werden, um bei Bedarf auch eine nicht-invasive Beatmung einleiten zu können.“

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