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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Chemoprophylaxe bei kolorektalen Karzinomen?

Das kolorektale Karzinom ist bei Nichtrauchern eine der häufigsten Krebs-Todes-ursachen. Studien haben gezeigt, dass bei Patienten, die regelmäßig NSAR einnehmen, eine 40- bis 50-prozentige Reduktion des Karzinomrisikos möglich ist.

„Forschungen der letzten Jahre ergaben, dass in einer Reihe von soliden Tumoren die Aktivität von COX-2 erhöht ist. Unter anderem gilt dies auch für Kolonkarzinome, im Besonderen aber für deren Vorstufen, die Kolonpolypen. Das Vorhandensein von COX-2 in Kolonkarzinomen, aber auch Lungenkarzinomen ist mit einer schlechteren Prognose vergesellschaftet. Bei COX-2-Überexpression findet sich eine Resistenz gegenüber Apoptose, dem programmierten Zelltod, ein erhöhtes metastatisches Potenzial und eine gesteigerte Angiogenese“, berichtet Prof. Dr. Heinz Hammer, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universitätsklinik Graz.

Situation bei Kolonadenomen

Die meisten kolorektalen Karzinome entstehen auf dem Boden kolorektaler Adenome. Kanadische Forscher haben den Effekt selektiver Cyclooxygenase-2-lnhibitoren (Celecoxib, Rofecoxib) nicht-selektiver nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) und von Aspirin und Acetaminophen auf das Auftreten und Wiederauftreten kolorektaler Neoplasien (kolorektaler Adenome oder Karzinome) untersucht. In einer Fallkontrollstudie wurden Versicherungsdaten von Personen im Alter von über 65 Jahren ausgewertet, bei denen eine Koloskopie, eine Röntgenuntersuchung des Kolons oder eine Dickdarm­operation zwischen Januar und Juni 2001 durchgeführt worden waren. In der Kontrollgruppe befanden sich 2.568 Patienten ohne eine kolorektale Neoplasie. Bei 730 Personen wurde ein kolorektales Adenom und bei 179 ein Karzinom diagnostiziert. Patienten mit erhöhtem Risiko für ein Adenomrezidiv waren diejenigen, bei denen ein kolorektales Adenom oder ein Karzinom innerhalb der letzten ein bis drei Jahren diagnostiziert worden war. Das Risiko war bei diesen Patienten um etwa das Vierfache erhöht. Patienten mit einer unteren gastrointestinalen Blutung oder einer ungeklärten Anämie im vorangegangenen Monat hatten ein dreifach erhöhtes Risiko. Eine mindestens dreimonatige Einnahme der Medikamente minderte das durchschnittliche Risiko für ein kolorektales Adenom folgendermaßen: Rofecoxib: 33%, Celecoxib: 13%, NSAR: 59%. Auch Aspirin und Acetaminophen senkten das Risiko, wenn auch etwas geringer. Das Risiko für Adenome und Karzinome wurde ebenso gesenkt: Rofecoxib: 36%, Celecoxib: 27%, NSAR: 53%, Aspirin: 15%, Acetaminophen: 22%. Hammer: „Obwohl ein schützender Effekt von NSAR und Coxiben, wie die Datenlage zeigt, wahrscheinlich ist, überwiegen allerdings für beide Medikamentengruppen die nachteiligen Effekte, sodass generell eine Chemoprophylaxe von sporadischen Adenomen gegenwärtig nicht empfohlen werden kann.“ Die Hemmung der Prostaglandinsynthese reduziert das Risiko der Entstehung von Polypen und Kolonkarzinomen. Allerdings haben Azetylsalizylsäure und NSAR ein zu hohes Nebenwirkungsrisiko, sodass dieser Effekt nicht im Sinne einer Chemoprophylaxe zum Nutzen der Patienten eingesetzt werden kann. Diesbezüglich wird viel Hoffnung in die Coxibe gesteckt, die aufgrund einer deutlich niedrigeren gastrointestinalen Nebenwirkungsrate ein besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis haben könnten. Eine Wirkung des COX-2-Hemmers Celecoxib in einer Dosis von zweimal 400 mg pro Tag wurde bei der familiären Polypose gezeigt.

Familiäre Polyposis coli

Unter dieser Dosis kam es zu einer Reduktion der Zahl der Polypen um 30%. Ähnliche Ergebnisse liegen auch für Rofecoxib vor. Im Rahmen einer Doppelblindstudie erhielten 21 Patienten mit familiärer Polyposis coli über einen Zeitraum von neun Monaten entweder 25 mg Rofecoxib oder Plazebo. Nach neun Monaten war in der Rofecoxib-Gruppe die Zahl der Rektumpolypen im Vergleich zum Ausgangswert um 6,8% zurückgegangen, während sie in der Plazebogruppe um 3,1% zunahm. Auch die Größe der Polypen nahm unter Rofecoxib um 16,2 % ab, während die Größe in der Plazebogruppe um 1,5 % zunahm.

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Quelle: WMW Skriptum. Kongressjournal, Jahg. 2, Heft 8.05, S16-17

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