zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 19. Jänner 2006

Hepatitis B als weltweites Problem

Die anitivirale Therapie bei Hepatitis B ist nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll. Vor allem der Prävention kommt eine große Bedeutung zu, mit dem WHO-Ziel, die Erkrankung weltweit auszurotten.

Die Hepatitis B gehört weltweit gesehen zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Nach Schätzungen der WHO leben über zwei Milliarden Menschen mit bestehender oder abgelaufener Infektion, zirka 350 Millionen Personen sind mit dem Hepatitis B Virus (HBV) chronisch infiziert. Ein Viertel dieser chronischen Virusträger sterben als Erwachsene an Leberkrebs oder Zirrhose.

WHO empfiehlt generelle Hepatitis-B- Impfung für Kinder

Die WHO hat daher 1997 empfohlen, auch in Ländern mit niedriger Inzidenz eine generelle Hepatitis-B-Impfung für Kinder anzubieten, um die Krankheit auszurotten. In Österreich besteht seit dem Jahr 1998 eine allgemeine Impfempfehlung (s. Kasten). Trotz dieser Empfehlung sind in Österreich noch nicht alle Risikopersonen immunisiert. Hierzulande geht man von rund 42,000 chronischen Virusträgern und 250 Fällen akuter Hepatitis B pro Jahr aus. Die Übertragung des HBV erfolgt parenteral, sexuell und vertikal. Neben Blut und Plasma sind auch Speichel, Tränenflüssigkeit, Muttermilch, Vaginalsekret, Sperma, Wundsekret, Organextrakt und Aszites potenziell infektiös.

Diagnostischer State of the Art

Diagnostischer State of the Art ist eine Kombination aus biochemischen, serologischen und virologischen Diagnoseverfahren: Die Bestimmung der Aminotransferasen gehört zum Standard, sie sind aber unspezifisch und wenig sensitiv. Anti-HBc-IgM-Ak ist ein wichtiger Marker für die Diagnostik der akuten Hepatitis B. Die Quantifizierung dieses Markers dient zur Differenzierung zwischen akuter Hepatitis, bei der ein hoher Antikörperspiegel vorliegt, und einer chronischen Hepatitis mit akutem Schub. Der Nachweis von HBeAg bedeutet eine hohe Infektiosität des Patienten, während ein negatives HBeAg ein niedriges diesbezügliches Risiko darstellt.„Die akute Hepatitis B verläuft beim immunkompetenten Patienten in der Regel gutartig und hat einen selbst limitierten Verlauf“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Vogel, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Univ.-Klinik für Innere Medizin, Innsbruck, in einer Diskussionsgrundlage zum aktuellen Österreichischen Hepatitis-Konsensus. Sie stelle daher noch keine Indikation zur antiviralen Therapie dar. Generell wird diese Therapie für Patienten mit aktiver HBV-Replikation (über 105 Kopien/ml) und persistierend erhöhten Transaminasen nach drei bis sechs Monaten Beobachtung empfohlen. Die HBeAg-negative chronische Hepatitis B hat einen aggressiveren Verlauf. Eine spontane, dauerhafte Suppression der Virusreplikation oder ein anhaltender Response auf die Therapie ist kaum wahrscheinlich. Charakteristisch sind deutliche Fluktuationen der Transaminasen. Die Differentialdiagnose zu einem inaktiven HBs-Ag-Carrierstatus kann schwierig sein und verlangt unter Umständen serielle Untersuchung über mindestens sechs bis 12 Monate. „HBeAg-negative Patienten sollten behandelt werden, wenn Hinweise für eine aktive Virusre­plikation über 105 Kopien vorliegen“, empfiehlt Vogel. Die antivirale Therapie sollte die limitierte Langzeiteffizienz der derzeitigen Therapiemöglichkeiten, der Nebenwirkungen, die Kosten und die prädiktiven Faktoren für ein Ansprechen berücksichtigen. Zugelassen sind Interferon (pegyliertes), Lamivudin und Adefovir. Zu neuen antiviralen Substanzen wie Entecavir, Emtricitabine, Clevudine und Beta-L-Nukleoside liegen, so Vogel, noch keine ausreichenden Phase III Ergebnisse vor. Auch ist die Behandlung auf weitere Erkrankungen abzustimmen: „Bei Co-Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus richtet sich die Therapie nach der C-Virusinfektion. Bei gleichzeitigem Vorliegen einer HIV-Infektion ist die Therapie mit Nukleosid-Analogen der Interferon-Therapie vorzuziehen.“ Neben der allgemeinen Empfehlung zur aktiven Immunisierung gegen Hepatitis B müsse, wie Vogel betont, sichergestellt werden, dass zumindest Kontaktpersonen von Patienten mit chronischer Hepatitis B immunisiert werden. Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen zusätzlich aktiv gegen Hepatitis A immunisiert werden, um dieses zusätzliche Risiko für die Verschlechterung der Lebererkrankung auszuschalten.

 detail

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben