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Innere Medizin 19. Jänner 2006

Arzt als enger Therapie-Begleiter bei Hepatitis C

Die Verträglichkeit von pegyliertem Interferon ist zwar im Vergleich zur Vorgängersubstanz deutlich besser, dennoch ist eine sorgfältige Begleitung der Patienten notwendig.

Einerseits hat die Hepatitis C (HC) durch die rasante Entwicklung auf therapeutischem Sektor in den vergangenen Jahren ihren Schrecken als „todbringende Seuche“ weitgehend verloren. Andererseits darf eine Infektion mit dem Virus dennoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Nur durch frühzeitige Identifizierung und rasche Einleitung der Therapie sind zufriedenstellende Ergebnisse erzielbar. „Die derzeit verfügbare Hepatitis-C-Therapie kann das Virus in mehr als der Hälfte der Fälle vollständig eliminieren. In den übrigen Fällen ist zumindest eine Verlangsamung des Fortschreitens der Leberschädigung zu erreichen“, erklärt Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic, Univ.-Klinik für Innere Medizin, Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizin­universität Wien. Allerdings sei die Therapie für die Patienten mitunter recht belastend. Dieser Aspekt der Behandlung wurde auf der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie im Juni dieses Jahres in Graz thematisiert. Bis Ende der 90-er Jahre galt die Kombination von Interferon-alpha und Ribavirin als Standardtherapie der HC-Infektion. Diese Medikamente mussten aber dreimal pro Woche subkutan gespritzt werden. „Neben der Angst vor den Nebenwirkungen schreckten viele Patienten vor der oftmaligen Selbst-Injektion zurück“, so Peck-Radosavljevic. Dies hatte gravierend schlechte Auswirkungen auf die Compliance.

Gute Compliance möglich

Durch die Pegylierung der Interferonmoleküle wird der Abbau des Medikamentes im Blut verlangsamt. Die neuen pegylierten (alfa) Interferone sind daher länger wirksam und müssen nur einmal pro Woche gespritzt werden, was der Compliance zugute kommt. Darüber hinaus bleibt laut Peck-Radosavljevic der Wirkspiegel im Blut konstant, was auch die Heilungsraten verbessert. Zudem fallen die Nebenwirkungen bei der neuen Kombinationstherapie von PEG-Interferon mit Ribavirin (z.B. Pegasys® und Copegus®) in der Regel geringer aus. Die Kombinationstherapie ist bei chronischer HC bei Erhöhung der Transaminasen sowie positiven Werten von Anti-HCV und HCV-PCR indiziert. Therapeutische Ziele sind die Normalisierung der Leberenzyme sowie die Negativierung der HCV-PCR. Der antivirale Therapieeffekt wird vereinbarungsgemäß am Ende einer 24-wöchigen Nachbeobachtungsphase bestimmt und im positiven Fall als „anhaltendes virologisches Ansprechen“ deklariert. Die häufigsten Nebenwirkungen in Kombination mit Ribavirin sind vor allem grippeähnliche Erscheinungen, wie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Fieber und Übelkeit. Vergleichen mit konventionellem Interferon-alpha ist die Inzidenz dieser unerwünschten Effekte bei pegyliertem Interferon deutlich geringer. Um auf der sicheren Seite zu stehen, werden regelmäßige Blutbildkontrollen während der Therapie empfohlen. In Bezug auf Ribavirin ist auf den Abfall des Hämoglobins zu achten. Nach dem 1999 erstellten österreichischen Konsensuspapier zur Hepatitisbehandlung kommt dabei dem Vorliegen einer Anämie (Hb <13 g/dl beim Mann, <12 g/dl bei der Frau) besondere Beachtung zu. Bei einem Hb unter 10 g/dl ist Ribavirin kontraindiziert.

Kontraindikationen

Als absolute Kontraindikation für diese Behandlung gilt eine symptomatische koronare Herzkrankheit. Vor Beginn der antiviralen Therapie sind deshalb eine kardiologische Abklärung und eine entsprechende therapeutische Intervention erforderlich. Aufgrund der Teratogenität darf die Therapie in der Schwangerschaft nicht angewandt werden. Die Abklärung einer sicheren Empfängnisverhütung während und bis sechs Monate nach der Verabreichung von Ribavirin wird daher angeraten. Obwohl die therapeutische Entwicklung in Richtung dauerhafter Viruselimination durchwegs positiv stimmen lässt, ist die Behandlung für die Patienten oft mit Unannehmlichkeiten verbunden. Peck-Radosavljevic: „Der Umstand, dass zur Erlangung des Therapieziels die Durchführung der Behandlung bei voller Dosis über die geplante Zeit notwendig ist, erfordert eine intensive Betreuung des Patienten durch einfühlendes ärztliches Handeln auf interdisziplinärer Ebene.“

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